Easyjet dämpft Erwartungen an die Wirkung der deutschen Luftverkehrsteuer-Senkung. Deutschlandchef Stephan Erler erklärt, dass die für den Sommer angekündigte Reduzierung zu spät für kurzfristige Angebotsausweitung kommt, da Airlines Planungshorizonte von bis zu 18 Monaten haben. Die Kürzung um drei Euro lässt den Satz zudem immer noch fünf Euro über dem Niveau von 2020. Easyjet fordert eine spürbar geringere Gesamtlast an Abgaben in Deutschland, um den Standort attraktiver zu machen. Trotz geplanter globaler Flottenerweiterung und Gewinnverdopplung bleiben Expansionspläne in Deutschland, wo die einzige Basis in Berlin von über 30 auf elf Flieger reduziert wurde, bescheiden.
Im Low-Cost-Segment sieht Easyjet einen Wandel hin zu mehr Service und Komfort. Easyjet betont bereits seinen “freundlichsten Service” und die größten Handgepäckstücke an Bord. Man prüft weitere Annehmlichkeiten wie freie Mittelsitze oder Internetzugang, ähnlich wie Wizzair mit seiner “Wizz Class”. Die Zahlungsbereitschaft für Internet auf Kurzstrecken ist jedoch unklar. Ein strategischer Fokus liegt auf dem Ausbau eigener Pauschalreisen (Easyjet Holidays), die Flüge und Hotels bündeln. Dieses in Großbritannien erfolgreiche Modell, von ehemaligen TUI-Managern vorangetrieben, soll international expandieren und stellt eher eine Herausforderung für traditionelle Reiseveranstalter dar, da Hotels direkt Partnerschaften mit Airlines suchen.
Easyjet agiert in acht Ländern mit eigenen Basen, die im Wettbewerb um den profitabelsten Einsatz von Flugzeugen stehen. Stephan Erler räumt ein, dass aufgrund fehlender spürbarer Entlastung in Deutschland Flugzeuge, die ursprünglich für Düsseldorf vorgesehen waren, nun zu anderen Zielen umgeleitet werden mussten. Die deutschen Standortkosten sind laut Erler “weit entfernt” vom Niveau attraktiverer Märkte, was die Nutzung der 300 bestellten Flugzeuge für den deutschen Markt unattraktiver macht. Trotz der generell hohen Reiselust der Deutschen ist eine signifikante Expansion unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht profitabel, wodurch die Flotte primär an anderen europäischen Basen wachsen wird.
Spezifische Herausforderungen ergeben sich für Easyjet aus der Übernahme von Flugrechten zwischen Italien und Deutschland im Zuge des Lufthansa-Einstiegs bei ITA Airways. Um EU-Auflagen zu erfüllen, muss Easyjet diese Strecken von Mailand Linate und Rom für mindestens drei Jahre bedienen. Der Anlauf dieser neuen Italien-Strecken erwies sich als schwieriger als erwartet und trug laut CEO Jarvis zu einem Gewinnrückgang im Herbstquartal 2025 bei. Erler betont jedoch, dass man gute Marktchancen sieht und es nicht nur darum geht, mit niedrigeren Preisen gegen Lufthansa anzutreten. Die Etablierung eigener Pauschalreiseangebote durch Wettbewerber wie Eurowings Holidays wird als Bestätigung des eigenen Weges und als Herausforderung für traditionelle Reiseveranstalter gesehen.

