Der FK Bodø/Glimt hat in der Champions League für eine der größten Überraschungen gesorgt. Erstmals überhaupt in der K.o.-Phase, empfingen die “Nonames” aus dem hohen Norden Italiens Tabellenführer Inter Mailand – und deklassierten den Vorjahresfinalisten phasenweise. Mit einem beeindruckenden 3:1 (1:1) im Hinspiel haben die Norweger einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale gemacht. Kasper Høghs Hackenvorlage, Jens Petter Hauges satter Schuss und Høghs sofortiges Nachlegen zeugten von einer spielerischen Reife, die man einem Außenseiter kaum zugetraut hätte. Lediglich Francesco Pio Esposito traf für Inter. Der Polarexpress hält Kurs.
Bundesligist Bayer Leverkusen gelang in Griechenland eine Wiedergutmachung. Mit einem souveränen 2:0 (0:0) besiegte die Werkself Olympiakos Piräus. Patrik Schick avancierte zum Matchwinner: Nach einem glücklichen VAR-Eingriff, der einen griechischen Treffer annullierte, spielte der Tscheche nach der Pause sein unfassbares Talent aus. Mit einem Traumtor in der 60. Minute und einem Kopfball nur drei Minuten später sorgte Schick für eine komfortable Ausgangsposition. Deutlicher machte es Newcastle United, das Qarabağ FK 6:1 (5:0) besiegte, Anthony Gordon brillierte mit einem Viererpack. Atlético Madrid rettete derweil ein packendes 3:3 beim FC Brügge.
Das torreiche Unentschieden zwischen Brügge und Atlético Mailand hatte auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) Relevanz: Nicolò Tresoldi, der Deutsch-Italiener, glänzte erneut und bewies seine Klasse auf Königsklassenniveau. Mit einem Tor und einer Vorlage war Tresoldi maßgeblich am Comeback beteiligt und untermauerte die Gerüchte um ein Abwerben durch die italienische Squadra Azzurra. Auch DFB-Verteidiger Malick Thiaw trug sich beim Sieg von Newcastle in die Torschützenliste ein. Weniger rosig ist die Lage für Nick Woltemade bei Newcastle United. Der Neuzugang sucht weiterhin nach seinem Platz und wird nun im offensiven Mittelfeld getestet.
Die erstaunlichen Leistungen des FK Bodø/Glimt werfen erneut ein Schlaglicht auf Norwegens generelle Sportförderung. Das 5,5-Millionen-Einwohner-Land, das bei Olympischen Winterspielen dominiert und im Fußball eine aufstrebende Kraft ist, setzt auf ein Modell, das Spaß und Teilhabe in den Vordergrund stellt. Eine frühe Elite-Auslese vor dem 13. Lebensjahr wird vermieden, in der Überzeugung, dass herausragende Talente bei breiter Sportbegeisterung ohnehin durchbrechen werden. Dieses Konzept scheint Früchte zu tragen und ermöglicht es Vereinen, die europäische Fußballbühne gehörig aufzumischen.

