Ugandas prominenter Oppositionsführer Bobi Wine hat das Land verlassen, um sich einer militärischen Verfolgung zu entziehen. Diese begann im Anschluss an die umstrittene Präsidentschaftswahl im Januar, bei der er gegen den Langzeitherrscher Yoweri Museveni angetreten war. Wines Aufenthaltsort, der als Robert Kyagulanyi geboren wurde, war wochenlang unbekannt, nachdem er kurz nach der Wahl am 15. Januar untergetaucht war. Nun meldete sich der Musiker und Schauspieler in einer Videobotschaft auf Plattform X zu Wort, bestätigte seine Flucht aus Uganda, nannte jedoch nicht sein aktuelles Versteck.
In der besagten Videobotschaft, die einen unrasierten Wine zeigt, erklärte er: »Liebe ugandische Landsleute und Freunde Ugandas in aller Welt, wenn ihr dieses Video seht, werde ich das Land bereits verlassen haben, um wichtige Termine im Ausland wahrzunehmen.« Er versicherte jedoch, zu gegebener Zeit zurückzukehren und seinen Kampf fortzusetzen. Wine dankte seinen Unterstützern, die ihn während der Fahndung durch das Regime versteckt und beschützt hatten. Laut offiziellem Wahlergebnis, das Wine vehement als gefälscht zurückweist, gewann Ugandas Langzeitherrscher Yoweri Museveni die Wahl mit 71,6 Prozent der Stimmen, ein Resultat, das weithin angezweifelt wird.
Die Besorgnis um Wines Sicherheit hatte sich zuletzt erheblich verstärkt, nachdem Ugandas Armeechef, General Muhoozi Kainerugaba, dem Sohn und mutmaßlichen Nachfolger des Präsidenten, mehrfach massive Drohungen gegen Wine auf X veröffentlichte. Kainerugaba deutete an, Wine werde wegen ungenannter Verbrechen gesucht, obwohl die ugandische Polizei dies dementierte. Bereits im Januar hatte der SPIEGEL über in Deutschland lebende Freunde Kontakt zu Wine aufnehmen können, als dieser in einem Versteck in den Slums von Kampala berichtete, wie er einem Entführungsversuch der Armee entkommen war. Während des Wahlkampfs hatte Wine aus Angst um sein Leben wochenlang Auftritte nur mit Helm und Schutzweste absolviert, was die prekäre Lage in Uganda unterstreicht.
Bobi Wine, der prominenteste der sieben Gegenkandidaten Musevenis, genießt enormen Zuspruch, insbesondere unter jungen Menschen in den Städten. Viele von ihnen leiden unter Arbeitslosigkeit und sind tief verärgert über die Regierung, deren Korruption und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven sie anprangern. Nach vier Jahrzehnten unter Präsident Museveni sehnen sich viele nach einem grundlegenden politischen Wandel. Der 81-jährige Museveni soll im Mai für eine siebte Amtszeit vereidigt werden, was die Forderungen nach Veränderung noch verstärkt und die Spannungen im Land auf einem hohen Niveau hält. Wines Flucht symbolisiert den anhaltenden Widerstand gegen das repressive Regime.

