US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen gegen Kuba massiv verschärft und offen über eine „Übernahme“ oder „Befreiung“ des Nachbarlandes spekuliert. Diese provokanten Äußerungen erfolgten inmitten bilateraler Gespräche zwischen den USA und Kuba. Ein Bericht der „New York Times“ enthüllte daraufhin, dass die Absetzung des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel ein zentrales US-Ziel bei diesen Verhandlungen ist. Amerikanische Unterhändler sollen ihren kubanischen Kollegen signalisiert haben, dass Díaz-Canel gehen müsse, wobei der kommunistischen Regierung jedoch erlaubt werden soll, an der Macht zu bleiben. Trumps abschätzige Beschreibung Kubas als „gescheiterter Staat“ dürfte die Führung in Havanna zusätzlich verstimmen.
Die eskalierenden Forderungen der USA kommen zu einem Zeitpunkt, da Kuba mit einer schweren Wirtschaftskrise zu kämpfen hat, die durch eine US-Ölblockade nach der Festnahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro noch verschärft wurde. Diese Blockade führte zu einem Kollaps des Stromnetzes auf der Insel, der zehn Millionen Einwohner ohne Elektrizität zurückließ. Misswirtschaft, Korruption und das jahrzehntelange Handelsembargo der USA haben das autoritär regierte Land an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht. Trump hatte zuvor offen spekuliert, Kuba werde „als Nächstes“ an der Reihe sein.
Kuba hat traditionell jede Einmischung in seine inneren Angelegenheiten zurückgewiesen, und die Beziehungen zwischen Havanna und Washington, D.C. sind seit der sozialistischen Revolution unter Fidel Castro vor fast 70 Jahren angespannt. Trotz der verschärften Rhetorik führen Kuba und die USA formelle Gespräche. Präsident Díaz-Canel bestätigte, dass kubanische Vertreter kürzlich mit US-Regierungsvertretern sprachen, um „auf dem Wege des Dialogs nach einer möglichen Lösung für die zwischen beiden Ländern bestehenden bilateralen Differenzen zu suchen“. Dies unterstreicht die komplexe Lage, in der konfrontative Äußerungen und diplomatische Bemühungen parallel stattfinden.
Trotz der schwierigen Lage auf der Insel ist unklar, warum der US-Präsident in Kuba leichtes Spiel erwartet. Das Land wird seit dem Sieg der Revolution 1959 autoritär regiert; die Kommunistische Partei kontrolliert Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, andere Parteien sind nicht zugelassen. Die meisten Bewohner kennen kein anderes Regierungssystem, weshalb die Unterstützung für einen von den USA initiierten Umsturz, trotz aller Kritik an der aktuellen Regierung, eher gering ausfallen dürfte. Die enorme Diskrepanz in Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft zwischen den USA und dem Karibikstaat hat die Spannungen zusätzlich verstärkt, doch Kubas Widerstandsfähigkeit bleibt eine Herausforderung für Washingtons Ziele.

