Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gerät nach der Sperrung der Straße von Hormus und den daraus resultierenden hohen Spritpreisen in die Kritik. Ihre anfängliche Zurückhaltung, während Rufe nach Maßnahmen aus Politik und Gesellschaft laut wurden, ließ Beobachter fragend zurück. Die CDU-Politikerin reaktivierte lediglich eine bestehende Taskforce mit dem vagen Auftrag, die Lage “eng zu beobachten”. Diese zögerliche Reaktion wirft die Frage auf, ob Reiche die notwendige Entschlossenheit für das Management aufkommender Wirtschafts- und Energiekrisen besitzt, insbesondere im Vergleich zu den proaktiven Ansätzen früherer Amtsinhaber. Die Erwartung an eine Wirtschaftsministerin in Zeiten volatiler Märkte ist jedoch schnelles, entschlossenes Handeln zum Schutz von Verbrauchern und Industrie.
Ein markanter Kontrast bietet sich zu Reiches Vorgänger, Robert Habeck. Dieser kündigte Ende Februar 2022, kurz nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine, umgehend konkrete Maßnahmen wie einen Gasreduktionsplan an und etablierte sich trotz umstrittener Aktionen als Krisenmanager. Unter Reiche zeigt sich ein anderes Bild: Koalitionsfraktionen von Union und SPD sahen sich offenbar genötigt, eine eigene “parlamentarische Taskforce” einzusetzen, um Initiativen gegen die Spritpreissprünge zu entwickeln. Beispiele wie die Regelung, dass Tankstellen Preise nur einmal täglich erhöhen dürfen, zeigen, dass der Handlungsdruck und konkrete Vorschläge primär aus dem Parlament kommen und nicht direkt aus dem Wirtschaftsministerium.
Nach einer Phase der Zurückhaltung unternimmt Reiche nun offenbar Schritte, um gegenzusteuern. Bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz kündigte sie regelmäßige Informationen über die Nahost-Lage und Energiemärkte sowie mögliche Regierungsmaßnahmen an – ein “Auftakt”, der jedoch erst nach langem Zögern erfolgte. Diese späte Kommunikationsoffensive erntet umgehend Kritik, insbesondere von den Grünen. Co-Parteichef Felix Banaszak wirft ihr vor, “mehr Gesicht der Krise als Managerin der Krise zu sein” und kritisiert das vermeintliche “Abholzen” von grünen Initiativen. Reiches Appell um Geduld und ihr Argument für ein schrittweises Vorgehen angesichts einer potenziell länger dauernden Krise werden von Kritikern als unzureichende Antwort auf akute Probleme wahrgenommen.
Die Kernfrage bleibt, ob Katherina Reiche, trotz ihres Bekenntnisses zu einem Energiemix und heimischer Gasförderung, die Führungsstärke und Entschlossenheit entwickeln kann, die für eine effektive Krisenmanagerin erforderlich sind. Ihre bisherige Strategie des “engen Beobachtens” und der verzögerten Kommunikation hat den Eindruck erweckt, dass andere Akteure in die Bresche springen müssen. Angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und der dringenden Notwendigkeit, Verbraucher und die kriselnde Industrie zu entlasten, wird ihre Fähigkeit zu schnellem, entschlossenem Handeln auf eine harte Probe gestellt. Ob der nun angekündigte “Auftakt” tatsächlich eine Wende in ihrem Krisenmanagement darstellt oder ob sie weiterhin dem Vorwurf der Passivität ausgesetzt sein wird, muss sich zeigen.

