Die deutsche Schifffahrt kämpft mit Nachwuchssorgen und der Abhängigkeit von ausländischen Crews, was in Krisenfällen die zivile Versorgung Deutschlands gefährden könnte. 60 Prozent der Warenimporte erfolgen über den Seeweg, weshalb eine stabile nationale Seemannschaft von entscheidender Bedeutung ist.
Um dieser Herausforderung zu begegnen, fordert der Verband der Deutschen Reeder (VDR) die Einführung eines einjährigen Seedienstes in der Handelsschifffahrt. Dieser soll, zunächst auf freiwilliger Basis und als Teil eines neuen Wehrdienstes, eine zivile maritime Reserve schaffen. Ziel ist es, nach der Dienstzeit qualifizierte Kräfte zu haben, die die Aufrechterhaltung der Versorgung sichern können.
Die Idee stößt in der Bundesregierung auf positive Resonanz. Christoph Ploß, maritimer Koordinator der Regierung, begrüßt den Vorstoß und betont die Notwendigkeit ausreichend qualifizierter Seeleute in Krisenzeiten. Auch VDR-Chef Kröger unterstreicht, dass eine resiliente Nation nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch Seeleute brauche, die die Versorgung sicherstellen.
Der Seedienst wird auch als Möglichkeit gesehen, zivilen Ersatzdienst zu leisten, sollte eine Wehrpflicht wieder eingeführt werden. Zudem erhofft sich die Branche einen positiven Effekt auf junge Menschen, indem sie praktische Erfahrungen an Bord sammeln können, die auf eine spätere Ausbildung angerechnet werden. Dies soll den Nachwuchs für die maritime Wirtschaft, die Ploß als “essenziell” für Deutschlands Versorgung, Resilienz und Sicherheit bezeichnet, gewinnen und langfristig binden.

