Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wird voraussichtlich von extremen Temperaturen begleitet, was zu verpflichtenden, dreiminütigen Trinkpausen führen wird. Diese Unterbrechungen, die in allen 104 Spielen jeweils nach 22 Minuten pro Halbzeit stattfinden, sollen die Gesundheit der Spieler sicherstellen und wurden bereits bei der Klub-WM 2025 erprobt. Diese neue Maßnahme eröffnet den übertragenden Fernsehanstalten unerwartete Möglichkeiten zur Kommerzialisierung.
ARD und ZDF nutzen diese fest eingeplanten Unterbrechungen, um „attraktive Sonderwerbeformen“ während der Live-Spiele zu vermarkten. Das ZDF bietet hierbei „Exklusivblöcke in den Trinkpausen für maximale Präsenz“ an. Diese Blöcke umfassen jeweils etwa 90 Sekunden Werbezeit im Vollbildformat. Für nicht-deutsche Spiele sind Platzierungen in den Trinkpausen bereits ab 1.200 Euro pro Sekunde erhältlich, wobei eine Mindestspotlänge von 15 Sekunden gilt. Die Blöcke werden zusätzlich von fußballaffinen Bumpern und den Mainzelmännchen umrahmt.
Auch die ARD steigt in dieses Geschäft ein und bewirbt ihre „Cooling Break Pakete“ mit dem Slogan „näher am LiveSport geht nicht“. Die maximale Gesamtlänge der Werbeunterbrechung während einer Trinkpause ist auf 80 Sekunden begrenzt. Bereits im Dezember, bei der Ankündigung der verpflichtenden Trinkpausen, äußerten Beobachter die Vermutung, dass diese Maßnahme primär dazu dienen könnte, neue Werbeumfelder durch die Hintertür zu schaffen und die Kommerzialisierung von sportlichen Großereignissen weiter voranzutreiben.
Die Einführung dieser Werbemöglichkeiten ist besonders bemerkenswert, da öffentlich-rechtliche Sender in Deutschland laut Rundfunkstaatsvertrag nur vor 20 Uhr Werbung senden dürfen. Lediglich Sponsoring ist in Ausnahmefällen, wie bei gesellschaftlich relevanten Sportgroßereignissen, nach 20 Uhr erlaubt. Da viele Spiele der WM 2026 aufgrund der Zeitverschiebung, insbesondere für die deutsche Nationalmannschaft, am Abend oder in der Nacht mitteleuropäischer Zeit stattfinden, bieten die Trinkpausen eine seltene und lukrative Gelegenheit, Werbeeinnahmen außerhalb der regulären Beschränkungen zu generieren.

