Die deutsche Fußballwelt trauert um eine ihrer größten Legenden des Ostens: Hans-Jürgen Kreische ist in der Nacht zum 1. April im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Name Kreische ist untrennbar mit der SG Dynamo Dresden und der goldenen Ära des DDR-Fußballs verbunden. Seine tiefe Verbundenheit zu seinem Verein zeigte sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch in seiner Diplomarbeit als Sportlehrer, die er treffenderweise dem Thema »Geschichte der SG Dynamo Dresden zwischen 1946 und 1979« widmete – eine Geschichte, die er selbst maßgeblich mitschrieb und prägte. Dresden verliert einen seiner ikonischsten Söhne, der das Herz und die Seele des Vereins verkörperte.
Über 13 Jahre lang, von 1964 bis 1977, trug Hansi Kreische ausschließlich das Trikot der Schwarz-Gelben. In 256 Oberliga-Spielen erzielte der Ausnahmestürmer beeindruckende 143 Tore und wurde damit zu einem der gefürchtetsten Torjäger der DDR. Seine Erfolgsbilanz sucht ihresgleichen: fünfmal DDR-Meister, einmal FDGB-Pokalsieger und viermaliger Torschützenkönig der Oberliga. 1973 wurde er zudem zum Fußballer des Jahres gewählt – eine Krönung seiner Leistungen in den Siebzigerjahren, die als Glanzzeit des DDR-Fußballs und von Dynamo Dresden gelten. Schon sein Vater Hans war ein bekannter Fußballer in Dresden, doch Hans-Jürgen übertraf dessen Erfolge deutlich. Seine Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zu treffen, zeigte sich bereits bei seinem Debüt für Dynamo mit 17 Jahren und später bei seinem ersten Länderspiel für die Nationalelf.
Für die DDR-Nationalmannschaft absolvierte Kreische 50 Länderspiele und gewann 1972 in München die olympische Bronzemedaille. Unvergessen bleibt seine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, insbesondere das legendäre Duell gegen die Bundesrepublik. Während des Turniers sorgte er abseits des Platzes für eine kuriose Episode: Eine Wette mit dem späteren Bundesminister Hans Apel im Flugzeug über den kommenden Weltmeister, deren Ausgang und der damit verbundene Whiskey-Gewinn später die Stasi auf den Plan rief. Eine unverständliche Entscheidung seines damaligen Nationaltrainers Georg Buschner verhinderte jedoch seine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1976, bei denen die DDR die Goldmedaille holte, was für Kreische bis heute ein ungelöster Rätsel blieb.
Die Beziehung zu seinem langjährigen Trainer Walter Fritzsch, einer Ikone in Dresden, war von Spannung geprägt. Kreische, der nie ein Lob von dem autoritären Coach erhielt, beendete seine Karriere 1977 abrupt nach einer als Demütigung empfundenen Nicht-Einwechslung durch Fritzsch. Doch seine Liebe zu Dynamo Dresden blieb ungebrochen. In den Jahrzehnten nach seiner aktiven Laufbahn kehrte er stets zu seinem Verein zurück und bekleidete verschiedene Funktionen, darunter Trainer und Scout, und galt als guter Geist des Klubs. Auch ein kurzer Abstecher zum Hamburger SV im Scouting, motiviert durch die Partnerstadtbeziehung, änderte nichts an seiner tiefen Verwurzelung in Elbflorenz. Sein letztes Oberligaspiel, im Oktober 1977 gegen Wismut Gera, krönte er natürlich mit einem Tor. Die Dresdner trauern um einen Mann, der für immer ein Teil ihrer Fußballgeschichte sein wird.

