Der aktuelle ARD-DeutschlandTrend zeigt eine historische Tiefstmarke für die Zufriedenheit mit der deutschen Bundesregierung. Nur noch 15 Prozent der Bürger sind zufrieden mit der Arbeit der schwarz-roten Koalition, ein deutlicher Rückgang um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat. Dies ist der schlechteste Wert, der jemals für diese Koalition gemessen wurde, was eine große Mehrheit von 84 Prozent Unzufriedenen zur Folge hat. Trotz der weit verbreiteten Einigkeit über die Notwendigkeit von Reformen in Deutschland, spiegelt die Umfrage von infratest dimap unter 1.316 Wahlberechtigten eine tiefe Ernüchterung wider, die die aktuelle politische Landschaft prägt.
Die Unzufriedenheit ist eng verknüpft mit dem Gefühl einer überhöhten finanziellen Belastung. Zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) empfinden Steuern und Sozialabgaben als zu hoch, wobei dieser Druck bei jungen Menschen (18-34 Jahre, 72 Prozent) und AfD-Anhängern (87 Prozent) am stärksten ist. Gleichzeitig fehlt es der Regierung an Vertrauen in ihrer Problemlösungskompetenz: Lediglich 20 Prozent glauben an ihre Fähigkeit, die sozialen Sicherungssysteme zukunftssicher zu machen, und nur 26 Prozent trauen ihr zu, die Wirtschaft voranzubringen. Diese Skepsis durchzieht alle Bevölkerungsgruppen und ist selbst in den eigenen Anhängerschaften der Regierungsparteien stark ausgeprägt, was die Tiefe der Vertrauenskrise verdeutlicht.
Bei der Bewertung der Koalitionspartner überzeugt die CDU (22 Prozent) etwas mehr als die CSU (17 Prozent) und die SPD (13 Prozent). Die SPD sieht sich einem massiven Vertrauensverlust gegenüber, auch innerhalb ihrer eigenen Basis. Dies spiegelt sich in den persönlichen Zufriedenheitswerten wider: Verteidigungsminister Boris Pistorius bleibt zwar der beliebteste (49 Prozent, aber -6), doch die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil (18 Prozent, -15) und Bärbel Bas (15 Prozent, -10) erleiden drastische Einbußen. CDU-Kanzler Friedrich Merz verliert ebenfalls Rückhalt (21 Prozent, -8). Die Sonntagsfrage zeigt entsprechende Entwicklungen: Die SPD fällt auf ein Rekordtief von 12 Prozent, während die AfD auf 25 Prozent zulegt und die Union bei 26 Prozent stagniert.
In Bezug auf Reformvorschläge zeigt sich ein differenziertes Bild. Mehrheitliche Zustimmung findet der Vorschlag, niedrige und mittlere Einkommen steuerlich zu entlasten und gleichzeitig höhere Einkommen stärker zu belasten. Dagegen werden die Abschaffung des Ehegattensplittings für zukünftige Ehen sowie eine pauschale Erhöhung der Mehrwertsteuer deutlich abgelehnt. Im Gesundheitsbereich wird eine stärkere Besteuerung ungesunder Stoffe wie Alkohol, Tabak und Softdrinks unterstützt. Jedoch gibt es eine klare Ablehnung gegenüber höheren Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen, der Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern oder begrenzten Vergütungen für Ärzte und Krankenhäuser. Die beschleunigte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse findet Zuspruch, längere Befristungen von Arbeitsverträgen hingegen nicht.

