Der Uno-Sicherheitsrat wird voraussichtlich am Freitag über einen vom Golfkooperationsrat (GCC) geforderten Militäreinsatz zum Schutz der Straße von Hormus abstimmen. Dies wurde aus Diplomatenkreisen bekannt. Bahrain, unterstützt vom GCC und Jordanien, hat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, der den Einsatz von „allen notwendigen Mitteln“ zur Gewährleistung der freien Durchfahrt durch die strategisch wichtige Meerenge vorsieht. Die Dringlichkeit der Abstimmung unterstreicht die globale Besorgnis über die Sicherheit des internationalen Schiffsverkehrs in dieser kritischen Region, die seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar stark beeinträchtigt ist.
Allerdings stoßen diese Pläne auf erheblichen Widerstand der Vetomächte Russland, China und Frankreich. Der chinesische Uno-Botschafter Fu Cong warnte eindringlich vor einer Legitimierung des Einsatzes von Gewalt, die seiner Meinung nach zu einer weiteren Eskalation und schwerwiegenden Konsequenzen führen würde. Er betonte, dass Gewalt keinen Frieden schaffen könne. Moskau, ein langjähriger Verbündeter Teherans, erklärte, es werde keine Maßnahmen unterstützen, die es als einseitig betrachte. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron äußerte sich skeptisch und bezeichnete einen militärischen Einsatz zur Befreiung der Meerenge als „unrealistisch“, was die tiefen Spaltungen innerhalb des Sicherheitsrats verdeutlicht.
Trotz des Widerstands der Vetomächte genießt der Vorschlag des Golfkooperationsrates die volle Unterstützung Washingtons. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Walz, betonte die Notwendigkeit, zu verhindern, dass ein Land die Weltwirtschaft als Geisel nimmt, um in einem Konflikt Vorteile zu erzwingen. Die Einwände der Vetomächte führten zu mehreren Änderungen am ursprünglichen Resolutionsentwurf. In einer überarbeiteten Version, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag, wurde präzisiert, dass „alle notwendigen *defensiven* Mittel“ eingesetzt werden können sollen. Dies deutet auf diplomatische Bemühungen hin, die Bedenken bezüglich einer offensiven Eskalation zu mildern.
Die Straße von Hormus ist eine zentrale Schlagader des Welthandels, durch die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases transportiert wird. Seit dem Beginn des Irankriegs ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge jedoch fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die von iranischer Seite verhängte Blockade hat zu einem dramatischen Anstieg der Erdölpreise geführt und die globale Energiesicherheit massiv gefährdet. Daten des Schifffahrts-Analyseunternehmens Kpler zeigen, dass seit Anfang März nur 225 Frachtschiffe die Meerenge durchquert haben, was einem Rückgang von 93 Prozent im Vergleich zur Vorkriegszeit entspricht. Diese Situation zwingt die Welt zum Umdenken und beschleunigt die Diskussion über den Übergang vom fossilen ins erneuerbare Zeitalter.

