Ukrainische Drohnenangriffe haben erneut russische Energieinfrastruktur ins Visier genommen, wobei mehrere Objekte in Brand gerieten. Im Fokus standen dabei wichtige Anlagen des Ölkonzerns Lukoil in der Oblast Nischni Nowgorod, östlich von Moskau. Gouverneur Gleb Nikitin berichtete von 30 abgewehrten Drohnen, deren herabfallende Trümmer Feuer in zwei Lukoil-Einrichtungen verursachten. Neben den Öl-Anlagen wurden auch Wohnhäuser und ein Heizkraftwerk beschädigt, was zu Stromausfällen führte. Glücklicherweise gab es nach vorläufigen Angaben keine Verletzten, was angesichts der Intensität der Angriffe eine Erleichterung darstellt. Die Zielauswahl unterstreicht Kyjiws Strategie, die russische Kriegswirtschaft zu schwächen.
Ein weiteres Ziel der ukrainischen Drohnenangriffe war der strategisch wichtige Hafen Primorsk in der Oblast Leningrad, der nahe Sankt Petersburg liegt. Gouverneur Alexander Drosdenko meldete über Telegram, dass Angriffe eine Ölleitung getroffen hätten, was zu einem als „ungefährlich“ bezeichneten Brand führte. Insgesamt wurden in dieser Region 19 ukrainische Drohnen abgewehrt. Das russische Verteidigungsministerium bezifferte die Gesamtzahl der in der Nacht über russischen Zielen zerstörten ukrainischen Drohnen auf 87. Diese Angriffe verdeutlichen die anhaltende Fähigkeit der Ukraine, tief in russisches Territorium vorzudringen und kritische Infrastruktur zu stören, auch wenn Moskau die meisten Attacken abwehrt.
Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Energieanlagen als integralen Bestandteil ihres Abwehrkampfes gegen den seit über vier Jahren andauernden Angriffskrieg Putins fort. Das Hauptziel Kyjiws ist es, die Einnahmen Moskaus aus dem Verkauf von Öl und Gas drastisch zu reduzieren, da Russland diese Erlöse zur Finanzierung seiner umfangreichen Kriegswirtschaft nutzt. Als Reaktion auf die angespannte Lage auf den Energiemärkten und möglicherweise auch infolge der ukrainischen Angriffe hat Moskau Anfang des Monats ein neues Benzin-Exportverbot bis Ende Juli verhängt. Diese Maßnahme soll dazu dienen, die Binnenmarktpreise zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit im eigenen Land zu gewährleisten, während der Druck auf die russische Wirtschaft weiter steigt.
Während die Ukraine ihre Verteidigungsstrategie fortsetzt, reagiert auch Russland mit wiederholten Angriffen auf die ukrainische Infrastruktur. Russische Attacken treffen ebenfalls Öl- und Gasanlagen, jedoch auch zunehmend Wohngebäude und zivile Ziele. Jüngst wurden bei einem Drohnenangriff in Odessa Wohngebäude beschädigt, wobei mindestens drei Menschen verletzt wurden, wie der „Kyiv Independent“ und die „Ukrainka Pravda“ übereinstimmend berichteten. Am Vortag forderten russische Drohnenangriffe auf einen Markt in der Region Dnipropetrowsk mindestens fünf Todesopfer, was die brutale Realität des Krieges für die Zivilbevölkerung unterstreicht. Die globale Aufmerksamkeit richtet sich indes auch auf den Iran, wo Kyjiw den Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen zur Seite steht, was die weitreichenden Implikationen dieses Konflikts verdeutlicht.

