Rund 68 Prozent der Bundesbürger werfen der Bundesregierung im Umgang mit dem Iran-Krieg Planlosigkeit vor. Besonders im Osten Deutschlands und bei jungen Wählern ist die Skepsis massiv, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
BERLIN. – Die Bundesregierung steht wegen ihres Kurses im Iran-Krieg zunehmend in der Kritik. Wie aus einer am Samstag veröffentlichten Umfrage des Magazins Internationale Politik hervorgeht, glauben mehr als zwei Drittel der Deutschen, dass es der Regierung an einer klaren strategischen Ausrichtung mangelt.
Auf die Frage, ob die Bundesregierung über eine eindeutige Strategie im Iran-Konflikt verfüge, antworteten 68 Prozent der Befragten mit „Nein“. Lediglich 28 Prozent der Umfrageteilnehmer vertraten die gegenteilige Auffassung.
Einigkeit nur bei der Union – Große Zweifel in der Opposition
Ein Blick auf die Parteianhängerschaft zeigt eine tiefe Spaltung: Nur unter den Wählern der CDU/CSU glaubt eine knappe Mehrheit von 54 Prozent an eine klare Vision der Regierung bezüglich der deutschen Positionierung im Konflikt. Bei den Anhängern des Koalitionspartners SPD überwiegen hingegen die Zweifel (43 Prozent).
Noch drastischer fällt das Urteil bei den Wählern der Oppositionsparteien aus. Unter den Anhängern der AfD ist der Anteil derer, die keinen klaren Kurs erkennen können, mit 86 Prozent besonders hoch. Auch bei der Linkspartei (78 Prozent) und den Grünen (69 Prozent) teilt eine deutliche Mehrheit diese Einschätzung.
Massive Kritik im Osten und bei jungen Menschen
Die regionale Auswertung der Daten offenbart ein eklatantes Ost-West-Gefälle. In Ostdeutschland halten nur 17 Prozent die Linie der Bundesregierung für eindeutig, während erdrückende 82 Prozent dies verneinen.
Auch bei der Betrachtung der Altersgruppen zeigen sich Auffälligkeiten: Insbesondere die jüngere Generation geht hart mit der Politik ins Gericht. 76 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bemängeln das Fehlen einer Strategie; lediglich 20 Prozent in dieser Altersgruppe sehen das anders.
Hintergrund: Kanzler Merz auf Distanz zu Washington
Die Umfragewerte fallen in eine Zeit diplomatischer Spannungen. Nachdem die USA und Israel am 28. Februar den Iran angegriffen hatten, stellte sich Bundeskanzler Friedrich Merz zunächst hinter das militärische Vorgehen. In den vergangenen Wochen hat der Kanzler seine Haltung jedoch merklich korrigiert. Er kritisierte wiederholt das Vorgehen der Vereinigten Staaten und warf insbesondere der US-Regierung unter Präsident Donald Trump vor, ohne konkreten Plan zu agieren.

