Die angekündigte Reduzierung der US-Truppen in Europa sorgt für Alarmstimmung im Bündnis. Polens Premierminister Donald Tusk spricht von einem „katastrophalen Trend“ und fordert dringendes Handeln der Partner.
WARSCHAU. – Angesichts tiefgreifender Risse im transatlantischen Bündnis hat der polnische Premierminister Donald Tusk eine eindringliche Warnung an die NATO-Partner gerichtet. Er beschrieb die aktuelle Entwicklung als „fortschreitenden Zerfall“ der Allianz und warnte vor einem „katastrophalen Trend“.
„Die größte Bedrohung für die transatlantische Gemeinschaft sind nicht ihre äußeren Feinde, sondern der fortschreitende Zerfall unserer Allianz“, schrieb Tusk auf der Plattform X (ehemals Twitter). Gleichzeitig forderte er von den Mitgliedsstaaten koordinierte Anstrengungen, um dieser Entwicklung dringend entgegenzuwirken.
Reaktion auf Truppenabzug aus Deutschland
Tusks deutliche Worte fielen nur wenige Stunden, nachdem Washington offiziell Pläne angekündigt hatte, rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
Dieser Schritt markiert offenbar nur den Beginn weitreichenderer Veränderungen: Bereits Anfang der Woche hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, die Vereinigten Staaten würden eine umfassende Reduzierung ihrer militärischen Präsenz in Europa, einschließlich Deutschland, prüfen. Vorausgegangen war ein diplomatischer Schlagabtausch, bei dem Bundeskanzler Friedrich Merz der US-Regierung vorgeworfen hatte, keine klare Strategie im Iran-Konflikt zu verfolgen.
Trump droht auch Italien und Spanien
Die Spannungen innerhalb der NATO beschränken sich indes nicht auf das deutsch-amerikanische Verhältnis. Trump äußerte offen seinen Unmut über weitere Bündnispartner. So stellte der US-Präsident auch eine Reduzierung der amerikanischen Truppenstationierungen in Italien und Spanien in den Raum. Als Begründung führte Trump an, diese Länder hätten während des Iran-Krieges nur unzureichende Unterstützung geleistet.

