Bundeskanzler Friedrich Merz ist trotz neuer russischer Angriffe nach Kiew gereist. Der deutsche Kanzler traf am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Während seines Besuchs waren in der Hauptstadt Luftalarm und Explosionen zu hören.
Die Reise war nicht vorher angekündigt worden. Sie sollte Deutschlands Unterstützung für die Ukraine zeigen. Zugleich fand sie in einer Zeit statt, in der Russland seine Angriffe auf ukrainische Städte verstärkt.
Kurz vor dem Treffen wurde eine wichtige Brücke in Kiew getroffen. Die Nordbrücke führt über den Dnipro und ist eine wichtige Verbindung innerhalb der Hauptstadt. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden auch eine Straße und Teile der Warmwasserversorgung beschädigt.
Es war bereits die zweite Brücke in Kiew, die an diesem Wochenende getroffen wurde. Die Angriffe zeigen, wie stark die Infrastruktur der Hauptstadt weiter unter Druck steht.
Merz erklärte vor seiner Reise, dass die Ukraine jetzt jede Unterstützung brauche. Er warnte zugleich vor den Folgen eines langen Krieges. Nach seiner Ansicht könnte die russische Kriegsmaschinerie auch für andere Länder in Europa zu einer Gefahr werden.
Bei seinem Treffen mit Selenskyj ging es vor allem um Sicherheit und weitere Hilfe. Beide Seiten sprachen auch über eine engere Zusammenarbeit bei Waffen und Drohnen.
Das Treffen fand an der Nationalen Akademie der Wissenschaften statt. Das Gebäude war am 28. September von einer russischen Drohne getroffen worden. Damit wurde ein Ort gewählt, der selbst von den Folgen des Krieges betroffen ist.
Selenskyj berichtete Merz von der schwierigen Lage in Kiew. Die Menschen würden weiterhin schwere Tage und Nächte erleben. Russische Drohnen und Raketen sorgen regelmäßig für Luftalarm. Angriffe auf Städte belasten auch die Energieversorgung und den Verkehr.
Merz wurde von seinem Wirtschaftsminister begleitet. Auch Vertreter mehrerer großer deutscher Unternehmen reisten mit nach Kiew. Dazu gehörten Firmen aus der Energie- und Verteidigungsbranche.
Deutschland und die Ukraine wollen ihre Zusammenarbeit bei der Waffenproduktion weiter ausbauen. Geplant ist eine Vereinbarung über die gemeinsame Herstellung von Drohnen und anderen Waffensystemen. Einige dieser Systeme sollen Ziele in einer Entfernung von mehr als 965 Kilometern erreichen können.
Die geplante Zusammenarbeit soll der Ukraine helfen, Ziele weit hinter der Front zu erreichen. Sie soll zugleich die deutsche und ukrainische Rüstungsindustrie enger verbinden.
Deutschland gehört zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Im April hatten beide Länder bereits ein Militärabkommen im Wert von mehr als vier Milliarden Dollar unterzeichnet. Nun soll weitere Hilfe folgen.
Für Sonntag wurde ein neues Militärpaket im Wert von rund 1,1 Milliarden Dollar erwartet. Zusätzlich sollen etwa 394 Millionen Dollar für die Reparatur der ukrainischen Energieversorgung bereitgestellt werden.
Die Energieanlagen des Landes sind seit Beginn des Krieges immer wieder Ziel russischer Angriffe. Die Reparatur der Anlagen ist besonders wichtig, da die Ukraine vor schwierigen Wintermonaten steht.
Merz besuchte Kiew nur einen Tag nach einer russischen Warnung. Russland hatte ausländische Diplomaten und Staatsbürger aufgefordert, die Hauptstadt wegen der möglichen Gefahren zu verlassen.
Moskau kündigte zudem weitere Angriffe auf die Ukraine an. Hintergrund waren Aussagen von Selenskyj. Er hatte erklärt, dass die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien verstärken wolle.
Beide Seiten setzen inzwischen verstärkt Drohnen und Raketen ein. Ziele sind unter anderem Infrastruktur, Verkehrswege, Energieanlagen und militärische Einrichtungen.
Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert inzwischen im fünften Jahr. Die Angriffe haben in den vergangenen Monaten weiter zugenommen. Für die Bevölkerung bedeutet dies neue Gefahren und große Schäden.
Mit seinem Besuch wollte Merz ein klares Signal senden. Deutschland steht weiterhin an der Seite der Ukraine. Zugleich soll die Zusammenarbeit bei Waffen, Energie und Wirtschaft weiter wachsen.
Für Selenskyj ist die Unterstützung Deutschlands besonders wichtig. Die Ukraine braucht neue Waffen, Geld und Hilfe beim Wiederaufbau. Der Besuch von Merz zeigte daher, dass Berlin seine Unterstützung trotz der wachsenden Gefahr fortsetzen will.

