Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Teil des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa), offenbart “verfestigtes” rassistisches Denken in Deutschland. Die repräsentative Erhebung unter 8.200 Personen von Oktober 2025 bis Januar 2026 zeigt, dass viele an vermeintlich naturgegebene Unterschiede zwischen Ethnien und Kulturen glauben. Zwei von drei Befragten stimmten zu, dass bestimmte Kulturen “fortschrittlicher und besser” seien als andere. Knapp die Hälfte vertrat die Ansicht, dass gewisse Gruppen “von Natur aus fleißiger” seien, und erschreckende 36 Prozent bejahten die Existenz unterschiedlicher “Rassen”. Diese Zahlen zeichnen ein besorgniserregendes Bild tief verwurzelter rassistischer Stereotypen in der Gesellschaft.
Für viele Menschen in Deutschland gehört rassistische oder diskriminierende Erfahrung zum Alltag, insbesondere für “rassistisch markierte Personen” wie Menschen anderer Hautfarbe oder erkennbare Musliminnen und Muslime. Die Studie zeigt, dass 25 Prozent der Schwarzen und 17 Prozent der muslimischen Menschen mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen werden. Jeweils etwa ein Drittel von ihnen berichtete von solchen Erlebnissen innerhalb der letzten zwölf Monate. Subtilere diskriminierende Erfahrungen, wie unfreundliche Behandlung oder Missachtung, machen 63 Prozent der Schwarzen mindestens monatlich. Diese Erkenntnisse unterstreichen die alltägliche und oft unsichtbare Last, die Rassismus für Betroffene darstellt.
Die Studie enthüllt zudem einen massiven Vertrauensverlust in staatliche Institutionen bei Menschen, die häufig Diskriminierung erfahren. Etwa 65 Prozent dieser Gruppe haben deutlich weniger Vertrauen in Polizei, Justiz, Bundesregierung und Politiker. Nur etwa 29 Prozent vertrauen der Bundesregierung. Seit 2022 ist das Vertrauen unter Befragten von rassistisch markierten Gruppen deutlich gesunken. Mit-Studienautor Tae Jun Kim warnt: “Diskriminierung ist somit kein bloßes Befindlichkeitsproblem, sondern eine reale Gefahr für die Legitimität staatlicher Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.” Die Erosion dieses Vertrauens gefährdet die Stabilität der Demokratie und den sozialen Frieden.
Angesichts dieser alarmierenden Ergebnisse fordern Experten und die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman eine entschiedene Reaktion. Frank Kalter vom DeZIM sprach von einer “sehr hartnäckigen Verfestigung” rassistischer Einstellungen und kritisierte die Relativierung des Themas in der Politik. Ataman betonte, dass rassistisches Denken und Handeln unsere Demokratie gefährde und das Vertrauen in die Institutionen schwäche. Sie forderte eine “Null-Toleranz-Politik für Rassismus und Diskriminierung” sowie eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), um effektive Gegenwehr zu ermöglichen. Auch rassistische Diskriminierung in Behörden ist weitverbreitet, weshalb staatliche Institutionen dringend eine Vorbildfunktion übernehmen müssen.
