Bei Volkswagen wächst der Konflikt mit der Gewerkschaft IG Metall. Der Autobauer hat mehrere Tarifvereinbarungen für seine deutschen Beschäftigten gekündigt. Die Änderungen treten am 1. Dezember in Kraft. Damit steigt der Druck auf beide Seiten vor den nächsten Gesprächen.
Ein Arbeitskampf ist ab Januar möglich, wenn sich Volkswagen und IG Metall nicht einigen. Die Friedenspflicht endet am 1. Januar. Bis dahin dürfen die Beschäftigten nicht streiken. Danach könnten neue Aktionen folgen.
Der Streit kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt für Volkswagen. Der Konzern steht vor einem großen Umbau. Vorstandschef Oliver Blume will die Kosten senken und die Struktur des Unternehmens verändern.
Volkswagen muss zugleich mit einem härteren Wettbewerb in Europa umgehen. Besonders chinesische Autobauer gewinnen auf dem europäischen Markt an Bedeutung. Sie bieten viele Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen an und investieren stark in Elektroautos und Software.
Für Volkswagen erhöht das den Druck auf die deutschen Werke. Das Unternehmen hat bereits vor möglichen Werksschließungen gewarnt. Auch andere deutsche Autobauer prüfen wegen hoher Kosten Veränderungen an ihren Standorten.
Mit den neuen Kündigungen will Volkswagen mehr Spielraum für Verhandlungen schaffen. Betroffen ist unter anderem ein wichtiger Tarifvertrag für rund 100.000 Beschäftigte an den deutschen Hauptstandorten.
Der Vertrag regelt zahlreiche Arbeitsbedingungen. Dazu gehören Arbeitszeiten, Urlaubsgeld und weitere Leistungen. Viele dieser Regeln wurden über Jahre zwischen Volkswagen und der IG Metall vereinbart.
Die Gewerkschaft reagierte sofort. IG-Metall-Vertreter Thorsten Gröger kritisierte den Schritt scharf. Er kündigte an, dass die Arbeitnehmerseite sich gegen weitere Belastungen für die Beschäftigten wehren werde.
Volkswagen begründet seine Entscheidung mit dem Kostendruck. Arne Meiswinkel, Personalchef der Marke Volkswagen, erklärte, der Konzern müsse seine Kostenstrukturen weiter verändern.
Die Kündigungen sollen nach seinen Angaben neue Verhandlungen ermöglichen. Volkswagen will mit der Gewerkschaft über Maßnahmen sprechen, die das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig halten sollen.
Der aktuelle Konflikt erinnert an die Tarifrunde von 2024. Damals hatte Volkswagen ebenfalls Teile seiner Tarifvereinbarungen beendet. Die Entscheidung führte zu einer Reihe von Streiks in deutschen Werken.
Am Ende einigten sich beide Seiten auf ein umfangreiches Abkommen. Volkswagen plante den Abbau von rund 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. Gleichzeitig erhielt die Arbeitnehmerseite eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2030.
Das Abkommen sah zudem Investitionen in deutsche Standorte vor. Einige dieser Werke stehen inzwischen jedoch erneut unter Druck. Volkswagen prüft seine Produktion und will die Kosten an mehreren Standorten reduzieren.
Die Vereinbarung aus dem Jahr 2024 ist von der aktuellen Kündigung nicht betroffen. Die IG Metall fordert daher, dass Volkswagen seine bisherigen Zusagen einhält.
Für die nächsten Gespräche gibt es bereits einen Termin. Beide Seiten wollen sich in der zweiten Hälfte des Oktober erneut treffen. Dort sollen die Folgen der Kündigungen und mögliche neue Vereinbarungen besprochen werden.
Volkswagen arbeitet gleichzeitig an weiteren Veränderungen. Der Konzern will sein großes Angebot an Fahrzeugen und Beteiligungen vereinfachen. Ziel ist eine klarere Struktur und eine bessere Nutzung der verfügbaren Mittel.
Auch Software spielt eine immer größere Rolle. Volkswagen will bei digitalen Funktionen schneller werden. Der Konzern muss seine Systeme verbessern, um im Wettbewerb mit anderen Herstellern Schritt zu halten.
Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der sich der europäische Automarkt stark verändert. Chinesische Hersteller bauen ihre Marktanteile aus. Gleichzeitig steigt der Kostendruck durch die Umstellung auf Elektroautos.
Volkswagen muss deshalb mehrere Ziele verbinden. Der Konzern will Kosten senken, neue Fahrzeuge entwickeln und in digitale Technik investieren. Gleichzeitig soll die Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben.
Für die Beschäftigten bedeutet der Umbau weitere Unsicherheit. Nach dem Abbau von rund 35.000 Stellen aus dem Abkommen von 2024 stehen erneut Fragen zu Arbeitsbedingungen und Kosten im Mittelpunkt.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte davor, den Konzernumbau nur über Kürzungen zu steuern. Aus seiner Sicht braucht Volkswagen auch eine klare Antwort auf die Veränderungen im Automarkt.
Der Tarifstreit könnte deshalb weit über die Lohnfrage hinausgehen. Es geht auch um die Zukunft der deutschen Volkswagen-Werke und um die Frage, wie stark die Beschäftigten an den Kosten des Umbaus beteiligt werden.
Die nächsten Gespräche im Oktober werden daher mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Eine Einigung könnte den Konflikt entschärfen. Bleibt sie aus, könnte nach dem Ende der Friedenspflicht im Januar ein neuer Arbeitskampf beginnen.

