Ein beispielloses Chaos überschattete die US-Meisterschaften im Halbmarathon in Atlanta, wo ein verhängnisvoller Fehler eines Begleitfahrzeugs das Rennen auf den Kopf stellte. Rund 3,22 Kilometer vor dem Ziel lenkte der Führungswagen das dominierende Trio – bestehend aus Jessica McClain, Ednah Kurgat und Emma Hurley – auf die falsche Strecke. Diese Top-Läuferinnen, die das Feld klar anführten und sich auf Kurs zum Sieg und zur begehrten WM-Qualifikation befanden, mussten umkehren und verloren wertvolle Zeit und ihre Podiumsplätze. Die Situation führte dazu, dass sie weit abgeschlagen ins Ziel kamen, während eine zuvor mehr als eine Minute zurückliegende Läuferin, Molly Born, überraschend den Sieg errang.
Die unerwartete Wendung sorgte für Fassungslosigkeit und eine bemerkenswerte Reaktion der neuen Siegerin. Molly Born drückte in den sozialen Medien ihr Unbehagen über den Sieg aus und betonte, sich nicht wie die wahre Gewinnerin zu fühlen. Sie erklärte, den ihr zustehenden Platz im WM-Team für Kopenhagen nicht anzunehmen, sollte er ihr angeboten werden, da sie diesen nicht verdient habe. Born forderte stattdessen, dass McClain, Kurgat und Hurley die USA bei den Weltmeisterschaften in Dänemark vertreten sollten, ein starkes Zeichen sportlicher Fairness inmitten des organisatorischen Fehlers.
Der Atlanta Track Club, Veranstalter des Rennens, übernahm umgehend die volle Verantwortung für den Vorfall. In einer Stellungnahme erklärten sie, dass der Fahrer des Führungswagens annahm, das Rennen sei aufgrund eines Unfalls umgeleitet worden. Ein Offizieller sei auf einer Fußgängerbrücke angefahren worden, was die Neuordnung von Kreuzungen und Verkehrsleitkegeln verhinderte. Der Führungswagen sei daraufhin einem Polizeimotorrad gefolgt und habe dadurch unbeabsichtigt die führenden Athletinnen von der korrekten Strecke abgeleitet, wie “The Athletic” berichtete.
Neben der Erklärung wurde auch eine finanzielle Entschädigung für die benachteiligten Läuferinnen zugesagt. Jessica McClain erhält demnach 20.000 US-Dollar, während Emma Hurley und Ednah Kurgat jeweils 9500 US-Dollar erhalten sollen. Die weitreichendsten Diskussionen drehen sich jedoch um die automatische Qualifikation für die Weltmeisterschaften im September in Dänemark. Der US-amerikanische Leichtathletikverband erklärte, dass das Team erst im Mai offiziell ausgewählt wird und man die Ereignisse von Atlanta sorgfältig prüfen werde, was die Tür für eine mögliche Korrektur der WM-Teilnahme offenlässt und die Hoffnung auf Gerechtigkeit für die betroffenen Athletinnen nährt.

