Der amerikanische Geheimdienst CIA hat eine neue Videokampagne gestartet, die darauf abzielt, unzufriedene chinesische Soldaten und Offiziere der Volksbefreiungsarmee (VBA) als Informanten zu gewinnen. Angesichts der jüngsten Säuberungen innerhalb der obersten Militärführung Chinas setzt die CIA auf aufkommenden Frust in den Reihen der Truppe. Ein fiktives Video, das seit Donnerstag in sozialen Medien verbreitet wird, zeigt einen chinesischen Offizier, der die Führungselite kritisiert, weil sie angeblich nur ihre eigenen egoistischen Interessen schützt, statt das Land zu verteidigen. Diese Initiative markiert einen erneuten Versuch Washingtons, im chinesischen Militär Fuß zu fassen.
Die Kampagne kommt nach der Absetzung hochrangiger Generale wie Zhang Youxia und dessen Stellvertreter Ende Januar unter Korruptionsvorwürfen und Missachtung der Führungsgrundsätze von Staatschef Xi Jinping. Mehr als ein Dutzend Generale und zahlreiche Offiziere sind in den letzten Jahren ähnlichen Säuberungen zum Opfer gefallen. Das CIA-Video spielt darauf an, indem es suggeriert, jeder mit „Führungsqualität wird als Bedrohung gesehen und rücksichtslos ausgeschaltet.“ Es betont zudem: „Die größten Sieger sind diejenigen, die ohne Kampf gewinnen“, und kritisiert, dass eine Führung ohne Kriegserfahrung die Soldaten ins Schlachtfeld schicken wolle – eine Anspielung auf Zhang Youxia als letzten General mit Kampferfahrung im Vietnamkrieg.
Washington hofft, mit dieser Strategie unzufriedene Offiziere zur Spionage für die USA zu bewegen, wobei das Video am Ende zur Kontaktaufnahme mit der CIA über eine Website aufruft. Bereits im letzten Sommer hatte die CIA ein ähnliches Video veröffentlicht, das laut Ex-CIA-Chef John Ratcliffe trotz Chinas Internetblockaden “viele Chinesen” erreicht habe. Die chinesische Botschaft in Washington hat das Video scharf als „schwerwiegenden Verstoß gegen Chinas Interessen“ kritisiert und angekündigt, entschlossen gegen „Infiltration und Sabotage durch antichinesische Kräfte“ vorzugehen. China hat seine Spionageabwehrgesetze 2023 drastisch verschärft und führt eigene Kampagnen gegen ausländische Anwerbeversuche. Chinesische Kommentatoren sehen in der “plumpesten Form der Spionage” einen Beleg für den Verlust verlässlicher Kommunikationswege der USA in der Volksrepublik.
Parallel zu diesen Entwicklungen äußerte sich Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping am Mittwoch in einer Rede zum chinesischen Neujahrsfest in seltener Form direkt zu den Militärsäuberungen. In einer virtuellen Ansprache vor verschiedenen Teilstreitkräften lobte Xi die “revolutionäre Läuterung” und die “Vertiefung der politischen Reform” innerhalb der VBA. Er betonte die Loyalität der Offiziere und Soldaten, “insbesondere an der Basis”. Die Tatsache, dass Xi zum Neujahrsfest nicht persönlich vor die Truppe trat, sondern erneut virtuell, nährt Spekulationen über mögliche Distanz und Unzufriedenheit innerhalb des Militärs – ein Muster, das bereits 2023 zu Beginn der jüngsten Säuberungswelle beobachtet wurde.

