Dieter Hecking steht vor seiner zweiten Amtszeit als Trainer des VfL Wolfsburg und blickt der Herausforderung mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität entgegen. Besonders eine halbe Stunde vor dem Anpfiff empfindet der erfahrene Coach als Qual. Er beschreibt die Zeit zwischen 15:00 Uhr, nach getanen Interviews, und 15:30 Uhr als die “schlimmste halbe Stunde”. Diese kritische Phase vor dem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr) bringt ihn an seine Grenzen, da er in dieser Zeit kaum weiß, was er mit sich anfangen soll. Es ist eine Zeit der Anspannung, die er am liebsten überspringen würde, bevor das eigentliche Spiel beginnt und mit dem Anpfiff eine gewisse Ruhe einkehrt.
Um die aufkommende Anspannung in dieser Wartezeit zu bewältigen, greift Hecking zu ungewöhnlichen Mitteln. Er gestand auf der Pressekonferenz, dass er dann sein Handy in die Hand nimmt und sich die Ergebnisse der zwölften brasilianischen Liga ansieht. Zusätzlich neigt er dazu, in dieser Phase “allen Scheiß” zu essen, insbesondere Süßigkeiten, die irgendwo herumliegen, um die Nervosität zu verdrängen. Sobald das Spiel jedoch startet, beruhigt sich der 61-Jährige, hat sein “Wässerchen in der Hand”, und alles läuft. Trotz dieser Herausforderungen betont Hecking, dass er die Anspannung benötigt, um in den “Match-Modus” zu gelangen und die Emotionalität auf den Platz zu bringen, die er auch von seiner Mannschaft erwartet. Er sieht sich selbst als “Kind der Bundesliga” und freut sich auf die Rückkehr, die für ihn immer etwas Besonderes ist.
Dieter Hecking übernimmt beim kriselnden VW-Club die Nachfolge von Daniel Bauer, von dem sich die Wolfsburger nach einer 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV getrennt hatten. Es ist Heckings zweite Amtszeit in Wolfsburg, eine Rückkehr zu alter Wirkungsstätte, wo er 2015 den DFB-Pokal mit dem VfL gewinnen konnte. Diesmal ist seine Aufgabe jedoch eine wesentlich schwierigere: Er soll den Verein vor dem ersten Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Die Situation ist prekär, da die Wolfsburger bereits vier Punkte hinter dem Relegationsrang zurückliegen und sechs ihrer vergangenen sieben Spiele verloren haben. Die Serie in der Rückrunde und der aktuelle Tabellenplatz nagen sichtlich an den Spielern, was Hecking in seinen ersten Eindrücken bestätigt.
Hecking weiß, dass ein Trainerwechsel allein nicht ausreicht, um die Trendwende herbeizuführen. Dennoch traut der erfahrene Coach, für den es das 444. Spiel als Trainer in der Ersten Liga sein wird, seiner neuen Mannschaft eine Überraschung zu. Trotz der schwierigen Ausgangslage gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim ist er optimistisch. “Wir werden alles dafür tun, dass die Mannschaft die Energie und den Glauben hat, dass sie das Spiel in Hoffenheim gewinnen kann”, versicherte Hecking. Sein Fokus liegt darauf, das Selbstvertrauen der Spieler wiederherzustellen und ihnen die Überzeugung zu vermitteln, dass sie die nötige Leistung abrufen können, um die dringend benötigten Punkte im Abstiegskampf zu sichern.

