Im Südlibanon kehren Tausende Anwohner, die durch wochenlange israelische Angriffe vertrieben wurden, in ihre stark beschädigten Häuser zurück. Nach dem Beginn einer zehntägigen Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz in der Nacht zum Freitag versuchen Armee und Rettungskräfte fieberhaft, Straßen von Trümmern zu befreien und die grundlegende Infrastruktur wiederherzustellen. Doch die Rückkehr ist gefährlich: Trotz der vereinbarten Waffenruhe melden beide Seiten weiterhin vereinzelten Beschuss, und vor allem Landminen sowie nicht explodierte Sprengsätze stellen eine tödliche Gefahr für die Zivilbevölkerung dar. Die Frage nach der Sicherheit und dem Wiederaufbau nach Ablauf der Waffenruhe bleibt beängstigend offen.
Parallel dazu meldet die israelische Armee den tragischen Tod eines 31-jährigen Reservisten im Süden des Landes, der am Samstag getötet wurde, als ein Militärfahrzeug über einen Sprengsatz fuhr. Diesen Angriff rechnet Israels Militär der Hisbollah-Miliz zu; neun weitere Soldaten wurden bei dem Vorfall verletzt. Die Ereignisse lassen sich nicht unabhängig überprüfen, schüren aber weitere Spannungen. Als Protest gegen die Waffenruhe und die anhaltende Bedrohung sind Einwohner der israelischen Grenzstadt Kiriat Schmona in den Streik getreten: Die Stadtverwaltung und das Bildungswesen blieben am Sonntag geschlossen, mit der Forderung nach vollständiger Entwaffnung der Hisbollah und verbessertem Raketenschutz, insbesondere für Schulen und Kindergärten.
Der Libanon ist seit März direkt in den eskalierenden Konflikt zwischen Israel, den USA und Iran involviert. Damals hatte die proiranische Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel abgefeuert, als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Khamenei – ein Ereignis, das Israels umgehende Angriffe im Libanon und den Einsatz von Bodentruppen über die Grenze hinweg provozierte. Aktuell laufen intensive, aber schwierige Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Teherans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf betonte, dass es zwar Fortschritte gebe, aber weiterhin eine „erhebliche Kluft“ zwischen den Staaten bestehe und man noch „weit von einer endgültigen Einigung entfernt“ sei. Eine weitere Komplikation war Irans jüngste Rücknahme der angekündigten Öffnung der Straße von Hormus.
Während in Beirut teils Jubel und Freudentaumel über die Waffenruhe zu beobachten waren, bleibt die Realität an der Grenze eine andere, mit Berichten über fortgesetzten Beschuss. Die allgemeine Unsicherheit darüber, wie es nach dem Auslaufen der zehntägigen Waffenruhe weitergeht, ist immens. Die menschliche Tragödie wird greifbar durch Szenen wie die einer Frau, die weinend ihre zerstörte Wohnung im Südlibanon betritt, ein starkes Symbol für die Zerstörung und das Leid, das der Konflikt mit sich bringt. Ihre Tränen spiegeln die Angst und die Verzweiflung der vielen Tausenden wider, die nicht wissen, ob sie jemals wieder in Sicherheit leben können.

