Die IG Metall hat bei den jüngsten Betriebsratswahlen in der deutschen Automobilindustrie ihre dominanten Mehrheiten verteidigt, ungeachtet des anhaltenden Stellenabbaus und des verstärkten Wettbewerbs durch alternative Listen. Im größten deutschen Autowerk, dem VW-Stammwerk in Wolfsburg, sicherte sich die Liste der IG Metall mit Spitzenkandidatin Daniela Cavallo erneut die Spitzenposition. Obwohl die Gewerkschaft mit 74,8 Prozent der Stimmen deutliche Verluste gegenüber der letzten Wahl 2022 (85,5 Prozent) hinnehmen musste, entfielen immer noch 52 von 67 Mandaten auf sie. Die zweitstärkste Kraft, “Die Andere Liste” des ehemaligen IG-Metall-Chefs Frank Patta, kritisierte die Betriebsratsspitze scharf und steigerte ihren Anteil auf 14,1 Prozent, wodurch sie von vier auf zehn Sitze zulegte. Pattas Ziel, Cavallo abzulösen, wurde jedoch klar verfehlt.
Rechtspopulistischen oder AfD-nahen Betriebsräten gelang es hingegen nicht, größere Zugewinne in der Autoindustrie zu erzielen. Im VW-Werk Zwickau, wo ein drohender Rechtsruck thematisiert wurde, kam das “Bündnis Freier Betriebsräte” auf 11,5 Prozent der Stimmen und vier von 35 Mandaten – ein Ergebnis, das sich im Vergleich zur Vorjahreswahl nicht verbesserte und absolut sogar Stimmen verlor, obwohl die Wahlbeteiligung gestiegen war. Die IG Metall holte im Zwickauer Werk souveräne 81 Prozent. Ähnliche Ergebnisse wurden an anderen VW-Standorten verzeichnet, was die anhaltende Stärke der etablierten Gewerkschaft unterstreicht.
Eine neue Herausforderung stellte erstmals die als AfD-nah geltende Arbeitnehmerorganisation “Zentrum” dar. Sie trat am Komponentenstandort Braunschweig an und erreichte dort 6,49 Prozent der Stimmen, was zwei Sitze in dem 35-köpfigen Gremium bedeutete, während die IG Metall auf 78,5 Prozent und 28 Mandate kam. Gegründet von Oliver Hilburger, der wegen seiner rechtsextremen Vergangenheit aus der CGM ausgeschlossen wurde, konnte “Zentrum” im Mercedes-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim deutlich stärkere Ergebnisse erzielen. Dort gewann die Organisation 21 Prozent der Stimmen und stellt künftig neun von 43 Sitzen im Betriebsrat, eine Verbesserung von zwei Mandaten. Hier kam die IG Metall auf 31 Sitze.
Einzig im Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide verfehlte die IG Metall die angestrebte Mehrheit mit nur 13 von 37 möglichen Mandaten deutlich. Dies ist jedoch kein neues Phänomen, da die Gewerkschaft dort noch nie eine Mehrheit hatte und Unternehmenschef Elon Musk seine Mitarbeiter im Vorfeld der Wahl eindringlich vor einer Gewerkschaftswahl gewarnt hatte. Insgesamt zeigt sich ein klares Bild: Trotz vereinzelter Verschiebungen und des Auftretens neuer Wettbewerber bleibt die IG Metall die dominante und unangefochtene Kraft in der deutschen Automobilindustrie, die ihre Position als zentrale Arbeitnehmervertretung erfolgreich behauptet und gegen rechtspopulistische Tendenzen verteidigt.

