Die Gewerkschaft Ver.di hat für diesen Donnerstag, den 29. Februar, erneut zu umfangreichen Nahverkehrsstreiks in mehreren deutschen Bundesländern aufgerufen. Pendler und Reisende müssen sich auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einstellen. Betroffen sind voraussichtlich die Bundesländer Bayern, das Saarland, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Diese koordinierte Arbeitsniederlegung markiert bereits das dritte Mal in der laufenden Tarifrunde, dass Beschäftigte kommunaler Nahverkehrsunternehmen ihre Arbeit zeitgleich niederlegen. Die Streiks sollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, um in den festgefahrenen Tarifverhandlungen Fortschritte zu erzielen. Zudem steht noch aus, ob auch in Bremen und Hessen die Arbeit niedergelegt wird. Für Hessen soll die Entscheidung nach Verhandlungen am Montag fallen, für Bremen am Mittwoch, was die Unsicherheit für viele Fahrgäste bis kurz vor dem Streiktag aufrechterhält.
Die Entscheidung, wo genau gestreikt wird, folgt einer klaren Strategie der Gewerkschaft. Wie Ver.di-Vizevorsitzende Christine Behle erklärte, ruft die Gewerkschaft nur dort zu Streiks auf, wo “es jetzt wirklich Druck braucht”. Diese gezielte Vorgehensweise ist dem Umstand geschuldet, dass die Verhandlungsstände in den einzelnen Bundesländern teils sehr unterschiedlich sind. Während in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bereits ein Tarifergebnis erzielt werden konnte und dort somit keine Streiks anstehen, sehen sich andere Regionen wie Nordrhein-Westfalen, darunter die Straßenbahnen in Köln, nach wie vor in festgefahrenen Situationen. Diese selektive Streiktaktik soll maximale Wirkung erzielen, ohne unnötig Personal zu belasten oder unnötige Beeinträchtigungen zu verursachen, wo Einigungen bereits in Reichweite sind oder erzielt wurden. Der Fokus liegt somit auf den Regionen, in denen die Forderungen der Beschäftigten bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Im Kern der Tarifauseinandersetzung stehen maßgeblich Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr. Ver.di fordert hier unter anderem spürbare Entlastungen, beispielsweise durch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit sowie menschenwürdigere Schichtdienste. Die aktuellen Arbeitsbelastungen, oft geprägt durch lange Dienste und unregelmäßige Arbeitszeiten, führen zu hoher Belastung und Personalengpässen. Ein weiterer wichtiger Punkt sind höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und an Wochenenden. Diese Zuschläge sollen die zusätzlichen Belastungen und Einschränkungen ausgleichen, die mit der Arbeit zu ungünstigen Zeiten einhergehen. Die Gewerkschaft betont, dass gute Arbeitsbedingungen nicht nur der Gesundheit der Beschäftigten dienen, sondern auch essenziell sind, um den Beruf attraktiver zu machen und dem Fachkräftemangel im ÖPNV entgegenzuwirken.
Neben den Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen werden in einigen Bundesländern auch direkte Lohn- und Gehaltserhöhungen verhandelt. Dies betrifft Bayern, Brandenburg, das Saarland, Thüringen sowie die Hamburger Hochbahn. Hier geht es darum, die Reallöhne der Beschäftigten zu sichern und ihre Kaufkraft angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten zu stärken. Die Streiks werden voraussichtlich zu erheblichen Einschränkungen für Millionen von Pendlern führen, die am Donnerstag auf Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen angewiesen sind. Insbesondere in Großstädten wie Köln, wo die Straßenbahnen ein zentrales Element des Nahverkehrs darstellen, ist mit Stillstand zu rechnen. Ver.di hofft, durch diese erneute Machtdemonstration die Arbeitgeber dazu zu bewegen, auf ihre Forderungen einzugehen und zügig zu einem für die Beschäftigten zufriedenstellenden Tarifergebnis zu kommen. Die Gewerkschaft betont die Notwendigkeit, in einen fairen Dialog zu treten und die Wertschätzung für die systemrelevanten Berufe im Nahverkehr durch konkrete Verbesserungen zu zeigen.

