SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter liefert erschütternde Einblicke aus der sogenannten »Roten Zone« im südlichen Libanon. Er schildert die tiefe Angst der Bevölkerung, die angesichts der israelischen Militäroperationen um ihre Existenz bangt. Viele befürchten, dass ein vorübergehender Rückzug zu einer dauerhaften Vertreibung führen könnte. Die israelische Armee hatte zuvor bekannt gegeben, mit »begrenzten und gezielten Bodeneinsätzen« in der Region vorzugehen, was die Spannungen dramatisch erhöht.
Die Eskalation folgt auf Hisbollahs Eingreifen an der Seite Teherans in den Irankrieg, wobei Israel erstmals seit einer Waffenruhe im November 2024 wieder mit Raketen attackiert wurde. Ein konkretes Ziel dieser Angriffe war die Hisbollah-Bank »Al-Qard Al-Hasan« in Tyros (Sour), die nicht nur Finanzdienstleistungen für Hisbollah-Mitglieder anbot, sondern auch Sozialhilfe für Parteianhänger auszahlte. Dieses Gebäude wurde vor wenigen Tagen von der israelischen Luftwaffe bombardiert.
Tyros, die südlichste Stadt des Libanon, wurde von Israels Armee zur »Roten Zone« erklärt. Dies bedeutet eine dringende Aufforderung an alle Bewohner, die Stadt zu verlassen, da jederzeit und überall mit Bombardierungen zu rechnen sei. Trotz dieser drastischen Warnung harren immer noch Tausende von Menschen in der Stadt aus. Sie sind auf Motorrädern unterwegs, und sogar einige Cafés bleiben geöffnet.
Einige Bewohner haben auf ihren Booten im Hafen Zuflucht gesucht. Sie äußern ihre Verzweiflung, da sie nicht wissen, wohin sie gehen sollen. »Hier ist unsere Heimat, hier leben wir, hier ist unser Haus«, lautet ihr Credo. Die Angst, im Falle eines israelischen Einmarsches, der auf Dauer angelegt ist, für immer vertrieben zu werden, ist allgegenwärtig und prägt das Leben der verbliebenen Zivilbevölkerung zutiefst.

