US-Präsident Donald Trumps überraschender Rückzieher von seinem Ultimatum an den Iran hat die globalen Finanzmärkte zum Wochenstart kräftig beflügelt. Nach einer Phase erhöhter geopolitischer Spannungen und der Drohung mit militärischen Angriffen auf Irans Energieanlagen, verkündete Trump eine fünftägige Aussetzung dieser Maßnahmen. Diese Deeskalationsgeste wurde von den Anlegern mit Erleichterung aufgenommen und führte umgehend zu einer deutlichen Entspannung an den Börsen. Besonders bemerkenswert war der Effekt auf den Ölmarkt, wo die Preise massiv einbrachen, während Aktienindizes weltweit kräftig zulegten.
Der deutsche Leitindex Dax reagierte euphorisch auf die Nachrichten aus Washington und sprang um rund 1200 Punkte nach oben, was einem Plus von bis zu 3,6 Prozent auf 23.178 Punkte entsprach. Auch der Euro Stoxx 50 verzeichnete zeitweise mehr als drei Prozent Gewinn. Die Entspannung spiegelte sich ebenso an den Rohölmärkten wider: Der Preis für Brent-Rohöl brach in der Spitze um über 14 Prozent auf 96,00 Dollar je Barrel ein, während das US-Leichtöl WTI ähnlich stark nachgab und auf bis zu 84,37 Dollar je Barrel fiel. Trump begründete seine Entscheidung mit „guten und produktiven Gesprächen“ mit dem Iran, die in den vergangenen Tagen stattgefunden hätten.
Die positive Stimmung übertrug sich auch auf die US-Börsen, deren Futures deutlich ins Plus drehten und jeweils mehr als zwei Prozent anzogen. Marktanalysten wie Chris Beauchamp von IG Markets kommentierten, dass dies zwar nur ein Aufschub sei, die Märkte jedoch „offensichtlich aufatmen“. Neben Aktien und Öl reagierte auch der Anleihemarkt: Trumps Äußerungen stoppten den Ausverkauf von Staatsanleihen, und die Renditen gaben nach. Die Rendite der deutschen Benchmark-Bundesanleihe fiel auf 3,009 Prozent. Der Dollar verlor ebenfalls auf breiter Front, unter anderem 0,7 Prozent gegenüber dem Euro. Zuvor hatten die iranischen Revolutionswächter mit Vergeltungsschlägen gedroht, sollte Trump seine Drohung, iranische Kraftwerke zu zerstören, wahr machen.
Experten wie Pepperstone-Stratege Michael Brown bewerteten die Entwicklung als „eindeutig positiv“, da beide Seiten Gespräche führten und dies das erste konkrete Zeichen einer Deeskalation seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar sei. Allerdings betonten Analysten auch, dass der Konflikt noch nicht gänzlich beigelegt sei. Es handle sich primär um eine Aussetzung von Angriffen auf die Energieinfrastruktur, militärische Aktionen an anderer Stelle könnten jedoch weitergehen. Elias Haddad von Brown Brothers Harriman sprach von einer „reflexartigen Reaktion auf diese positive Nachricht“ und sieht Potenzial für eine stärkere Erleichterungsrallye bei Risikoanlagen, sollte es sich um eine echte Deeskalation handeln. Die Abhängigkeit der weiteren Aussetzung von den laufenden Gesprächen unterstreicht die weiterhin fragile Lage.

