Hamburg steht erneut im Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele, mit Bewerbungen für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Die Hansestadt konkurriert dabei mit etablierten Mitbewerbern wie München, Berlin und der Region Rhein-Ruhr. Doch während die Bewerbungsbestrebungen auf nationaler Ebene voranschreiten und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 26. September in Baden-Baden über eine deutsche Bewerbung entscheiden wird, zeigt sich in Hamburg selbst eine deutliche Skepsis. Diese Haltung, die sich signifikant von der Stimmung in den anderen potenziellen Austragungsorten unterscheidet, wirft Schatten auf das für den 31. Mai angesetzte Olympia-Referendum der Stadt.
Eine repräsentative Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des NDR offenbart das Ausmaß der Ablehnung. Auf die Frage nach einer Bewertung der Hamburger Olympiabewerbung gaben 50 Prozent der Befragten an, diese »eher schlecht« zu finden. Lediglich 41 Prozent äußerten sich »eher gut« über die Pläne zur Ausrichtung der Spiele. Im Vergleich dazu überwiegt in Nordrhein-Westfalen die Zustimmung mit 57 Prozent »eher gut« (Stand Februar), und auch in Berlin zeigten sich im Juni des Vorjahres mehr Befürworter (46 Prozent) als Skeptiker (43 Prozent). München hatte bereits in einem Referendum im Oktober letzten Jahres mit über 66 Prozent der Stimmen eine Bewerbung als Austragungsort befürwortet, was die isolierte Skepsis Hamburgs unterstreicht.
Die Befürworter in Hamburg argumentieren vorwiegend mit potenziellen Modernisierungen der Verkehrsinfrastruktur (54 Prozent), einer erwarteten Ankurbelung der Wirtschaft (49 Prozent) und einem besseren internationalen Ansehen der Stadt (46 Prozent). Zudem erhoffen sich 45 Prozent die Sanierung von Stadtvierteln und Sportstätten, während 43 Prozent auf hohe Besucherzahlen verweisen. Demgegenüber stehen die gravierenden Bedenken der Skeptiker: 79 Prozent fürchten hohe Kosten, die zulasten anderer Bereiche gehen könnten. Weitere Kritikpunkte sind der Bau unnötiger Infrastruktur (46 Prozent), Übertourismus und Verkehrschaos (41 Prozent), steigende Mieten (34 Prozent) sowie Sicherheitsprobleme (24 Prozent).
Interessanterweise ist die Skepsis bei den Hamburgerinnen mit 52 Prozent »eher schlecht« stärker ausgeprägt als bei den Männern (48 Prozent). Auch die Altersgruppe 65 plus zeigt mit 55 Prozent die größten Bedenken. Im Gegensatz dazu sehen in der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen 45 Prozent eine Bewerbung »eher gut«. Politisch zeigt sich ein gespaltenes Bild: Während Anhänger der SPD (57 Prozent) und CDU (50 Prozent) mehrheitlich zustimmen, überwiegen die Skeptiker bei den Grünen (53 Prozent), der AfD (57 Prozent) und den Linken (72 Prozent). Es ist nicht das erste Mal, dass Hamburg über Olympische Spiele abstimmt; bereits 2015 sprachen sich die Bürgerinnen und Bürger in einem Referendum gegen eine Bewerbung aus.

