Sarah Mullally hat Geschichte geschrieben: Sie ist offiziell die erste Erzbischöfin von Canterbury und damit das erste weibliche Oberhaupt der anglikanischen Gemeinschaft, die weltweit rund 85 Millionen Gläubige zählt. Dieser internationale Kirchenverbund hat seine Wurzeln in der Kirche von England. Mit ihrer Amtseinführung am Mittwoch übernimmt Mullally eine Rolle von immenser symbolischer Bedeutung. Ihre feierliche Verpflichtung, “der Kirche von England, der Anglikanischen Gemeinschaft und der ganzen Kirche Christi in der ganzen Welt zu dienen”, markiert einen Wendepunkt in der mehr als 1400-jährigen Geschichte des Amtes und sendet ein starkes Signal der Gleichberechtigung und des Fortschritts innerhalb einer der größten christlichen Konfessionen weltweit.
Der besondere Gottesdienst zur Amtseinführung fand vor etwa 2000 geladenen Gästen statt, darunter prominente Mitglieder des britischen Königshauses wie Prinzessin Kate und Thronfolger Prinz William. Die Anwesenheit der Royals unterstreicht die historische Tragweite dieses Ereignisses, zumal der Erzbischof von Canterbury traditionell die Krönung des britischen Monarchen vornimmt. Sarah Mullally äußerte sich in einem BBC-Interview vorab über die “Symbolkraft” ihrer Wahl. Sie betonte, dass der Gottesdienst speziell von Frauenstimmen geprägt sein werde, um die Bedeutung dieser historischen Ernennung hervorzuheben und die Rolle der Frau in der Kirche zu zelebrieren. Dies ist ein deutliches Zeichen für eine neue Ära.
Mullallys Botschaft geht über die bloße Würdigung von Frauen hinaus. Sie versteht ihre Position auch als Inspiration für andere: “Es geht also darum, Frauen zu würdigen, aber auch darum, anderen Menschen gewissermaßen zu sagen: Es ist durchaus möglich, dass ihr eure Träume verwirklichen könnt, das zu tun, was ihr euch wünscht.” Anders als der Papst, der über weitreichende formale Macht verfügt, ist die Rolle der anglikanischen Erzbischöfin jedoch primär symbolischer Natur. Ihre Aufgabe ist es, die weltweite Gemeinschaft zu repräsentieren und als geistliche Führerin zu wirken, ohne über exekutive Befugnisse zu verfügen, die strukturelle Änderungen unmittelbar herbeiführen könnten.
Trotz der weitgehend symbolischen Natur des Amtes hat Mullallys Ernennung scharfe Kritik hervorgerufen, insbesondere von einer konservativen Gruppierung innerhalb der anglikanischen Kirche. Diese Opposition spiegelt die anhaltenden Spannungen und Debatten über die Rolle von Frauen in geistlichen Ämtern wider. Sarah Mullally begegnet dieser Kritik mit Entschlossenheit und einer klaren Haltung. Sie erklärte, sich aktiv dafür einzusetzen, Frauenfeindlichkeit anzusprechen und zu bekämpfen, wo immer sie ihr begegne. Ihr Amtsantritt ist somit nicht nur ein Triumph für die Gleichberechtigung, sondern auch ein Katalysator für notwendige Auseinandersetzungen und Veränderungen innerhalb der Kirche und darüber hinaus.

