Antarktis wird erneut zum Schauplatz einer maritimen Konfrontation zwischen Umweltschützern und Fischereibetreibern. Am 31. März kam es in den eisigen Gewässern zu einem mutmaßlichen Rammangriff, bei dem ein Schiff der Paul Watson Foundation einen norwegischen Krilltrawler des Unternehmens Aker Qrill gerammt haben soll. Die »MV Bandero« der Tierschützer kollidierte mit dem Krillfangschiff, doch trotz des Zusammenstoßes konnte der Trawler seine Fahrt fortsetzen. Glücklicherweise blieben die Besatzungsmitglieder unversehrt, wie sowohl Aker Qrill als auch die beteiligten Umweltorganisationen Sea Shepherd und die Paul Watson Foundation bestätigten. Dieser Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen im Kampf um die Ressourcen der Ozeane und den Schutz empfindlicher Ökosysteme.
Aker Qrill, das sich als Weltmarktführer im Krillhandel bezeichnet, verurteilt den Vorfall scharf und spricht von einer kriminellen Handlung. Das Unternehmen kündigte umgehend rechtliche Schritte gegen die Aktivisten an. Nach Angaben von Aker Qrill ereignete sich der Rammangriff unmittelbar über einem Dieseltank des Trawlers, was die Besatzung in den weitab eines Hafens gelegenen Gewässern in unmittelbare Gefahr gebracht habe. Eine schwerwiegende Beschädigung hätte zudem eine Umweltverschmutzung in der fragilen Antarktis nach sich ziehen können. Die Anschuldigungen der Tierschützer, Aker Qrill hungere Wale und Pinguine aus, wies das Unternehmen als wissenschaftlich unbegründet zurück. Aker Qrill betont, unter der Aufsicht des multinationalen Kontrollgremiums CCAMLR für die Fischerei in der Antarktis zu operieren.
Die Paul Watson Foundation hingegen bestätigt die absichtliche Rammtat ihres Schiffes. Sie erklärte, die Maßnahme sei ergriffen worden, um eine “klare und gezielte Botschaft” zu senden: Man werde sich aktiv gegen Aktivitäten wehren und diese unterbinden, die »empfindliche Meeresökosysteme bedrohen«. Der Gründer von Sea Shepherd und bekannte Umweltaktivist Paul Watson spielte das Risiko des Vorfalls herunter. Er erklärte, man habe lediglich die Farbe des Trawlers zerkratzt, und bezeichnete die Reaktion von Aker Qrill als die von “verängstigten Drama-Queens” auf die Forderung, weiteren Schaden vom fragilen Ökosystem der südlichen Ozeane abzuwenden. Für Watson ist die Krillfischerei ein direkter Angriff auf die Nahrungskette von Walen und Pinguinen.
Solche Auseinandersetzungen sind auf offener See keine Seltenheit, doch die Eskalation in der Antarktis lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die radikalen Methoden einiger Umweltschutzorganisationen. Paul Watson, ein US-Kanadier, gilt als eine Ikone der Tier- und Umweltschutzbewegung, ist aber gleichzeitig für seine spektakulären und halsbrecherischen Aktionen berüchtigt. Über die Jahre standen er und seine Mitstreiter immer wieder vor Gericht, um ihre teils umstrittenen Kampagnen zu verteidigen. Der jüngste Vorfall in der Antarktis reiht sich ein in eine lange Geschichte von direkten Konfrontationen, die das Spannungsfeld zwischen Ressourcennutzung und Artenschutz in den entlegensten Winkeln der Welt aufzeigen.

