Die bayerische Mystikerin Therese Neumann, bekannt als „Resl von Konnersreuth“, ist eine der rätselhaftesten Figuren des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde sie durch ihre angeblichen Stigmata, Visionen der Passion Christi und vor allem durch die Behauptung, von 1926 bis zu ihrem Tod 1962 – ganze 36 Jahre lang – ausschließlich von der Heiligen Kommunion gelebt zu haben, ohne jegliche weitere Nahrung oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese außergewöhnliche Behauptung zog Gläubige, Wissenschaftler und Skeptiker gleichermaßen an und machte Konnersreuth zu einem Wallfahrtsort.
Das sogenannte „Osterwunder“ von Konnersreuth, das in den 1920er Jahren seinen Anfang nahm, beschreibt das erstmalige Auftreten von Therese Neumanns Stigmata und ihre detaillierten Schilderungen der Leiden Christi, die sie in Trancezuständen erlebte. Diese Ereignisse, oft im Zusammenhang mit kirchlichen Feiertagen, insbesondere Ostern, führten zu einer enormen öffentlichen Aufmerksamkeit. Berichte über ihre wöchentlichen Passionsvisionen, die mit Blutungen aus den Wundmalen einhergingen, verbreiteten sich schnell und faszinierten die Welt. Die daraus resultierende Pilgerbewegung nach Konnersreuth war immens und verwandelte das kleine Dorf in einen Brennpunkt des Glaubens und der Neugier.
Die Behauptung des jahrzehntelangen Fastens stieß jedoch von Beginn an auf erhebliche Skepsis, insbesondere in medizinischen und wissenschaftlichen Kreisen. Mehrere Versuche, Therese Neumann über längere Zeiträume hinweg streng zu überwachen, um ihre angebliche Nahrungslosigkeit zu überprüfen, führten zu gemischten oder letztlich nicht schlüssigen Ergebnissen. Kritiker warfen ihr Betrug vor und vermuteten, dass sie heimlich Nahrung zu sich nahm. Die Kirche selbst verhielt sich bezüglich des Fastens vorsichtig und erkannte es nie offiziell als Wunder an, obwohl sie Therese Neumanns Frömmigkeit und ihre Stigmata nicht gänzlich in Frage stellte. Der Konflikt zwischen Glauben und wissenschaftlicher Überprüfbarkeit blieb ungelöst.
Bis heute bleibt die Geschichte der Resl von Konnersreuth ein faszinierendes Mysterium. Trotz der ungelösten Kontroversen um ihr Fasten ist Therese Neumann für viele Gläubige eine Symbolfigur tiefen Glaubens und mystischer Erfahrung. Ihre Lebensgeschichte inspiriert weiterhin theologische Debatten über asketische Praktiken, Wunderglaube und die Grenzen menschlicher Existenz. Das „Osterwunder“ und die Frage nach den 36 Jahren ohne Nahrung prägen ihr Vermächtnis als eine Frau, die die Welt herausforderte, an das Unmögliche zu glauben.

