Bei koordinierten russischen Drohnenangriffen auf mehrere ukrainische Regionen sind am Samstag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen und 13 weitere verletzt worden. Ziel waren unter anderem zivile Fahrzeuge sowie die Energie- und Hafeninfrastruktur.
KIEW. – Die russischen Streitkräfte haben ihre Luftangriffe auf den Süden und Nordosten der Ukraine intensiviert. Wie ukrainische Behörden am Samstag mitteilten, feuerten russische Truppen über Nacht massive Drohnenschwärme ab, die zu Toten, Verletzten und erheblichen Sachschäden führten.
Tödliche Angriffe auf Zivilisten in Cherson
Besonders schwer getroffen wurde die südukrainische Region Cherson. Der Gouverneur der Region, Oleksandr Prokudin, berichtete von einem gezielten Drohnenangriff auf einen Kleinbus im Bezirk Dniprowskyj. Dabei wurden zwei Menschen getötet – ein städtischer Angestellter und eine Frau. Acht weitere Personen, darunter Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke, erlitten Verletzungen und wurden zur Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Wenig später meldete Prokudin einen zweiten Angriff auf einen weiteren Kleinbus im Bezirk Zentralnyj der Stadt Cherson, bei dem eine weitere Person verletzt wurde.
Schäden an Infrastruktur und massiver Drohneneinsatz
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, die Luftverteidigung habe in der Nacht 143 von insgesamt 162 abgefeuerten russischen Drohnen abschießen können. Dennoch kam es in mehreren Regionen zu spürbaren Folgen:
- Odessa: Im Südwesten des Landes geriet laut Gouverneur Oleh Kiper die Hafeninfrastruktur ins Visier. Lagerhallen und Nebengebäude wurden beschädigt. Zivile Opfer gab es in dieser Region nach ersten Erkenntnissen nicht.
- Charkiw: Gouverneur Oleh Synjehubow meldete den Einschlag einer Drohne in ein Hochhaus, wobei eine Person verletzt wurde. Drei weitere Verletzte gab es bei separaten Angriffen im Umland.
- Mykolajiw: Nach gezielten Angriffen auf die Energieinfrastruktur kam es laut Gouverneur Witalij Kim zu erheblichen Stromausfällen.
Selenskyj warnt vor Überlastung der Luftabwehr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, mit der schieren Masse an Drohnen die ukrainischen Flugabwehrsysteme gezielt überlasten zu wollen. Er appellierte eindringlich an die Partnerländer, den internationalen Druck auf Moskau aufrechtzuerhalten.
Von russischer Seite gab es zunächst keine direkte Stellungnahme zu den Zerstörungen in der Ukraine. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte jedoch im Gegenzug mit, die eigene russische Luftabwehr habe insgesamt 215 ukrainische Drohnen über mehreren russischen Regionen sowie über dem Schwarzen Meer, dem Asowschen Meer und der annektierten Halbinsel Krim abgefangen.

