US-Präsident Donald Trump hat erneut eine überraschende Kehrtwende in der Frage der Chagos-Inseln vollzogen. Er fordert nun vehement, dass Großbritannien die Kontrolle über die strategisch wichtige Insel Diego Garcia behält. Trump warf dem britischen Premierminister Keir Starmer einen „Riesenfehler“ vor, sollte das Abkommen zur Rückgabe des Archipels an Mauritius umgesetzt werden. Diese abrupte Kursänderung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und Iran. Trump begründet seine Forderung damit, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines Scheiterns der aktuellen Verhandlungen mit Teheran und einer möglichen Eskalation militärisch auf Diego Garcia angewiesen sein könnten, um potenzielle Angriffe abzuwehren und regionale Sicherheit zu gewährleisten.
Diego Garcia, eine der abgelegenen Chagos-Inseln im Indischen Ozean, beherbergt einen essenziellen Militärstützpunkt, der gemeinsam von Großbritannien und den USA genutzt wird. Das im vergangenen Mai von Premierminister Starmer unterzeichnete Abkommen sah vor, den Archipel an die ehemalige Kolonie Mauritius zurückzugeben. Dabei sollte der Stützpunkt für hundert Jahre an die USA und Großbritannien verpachtet werden. Trump betonte nun, dass für einen möglichen Verteidigungsfall, der sich auch gegen das Vereinigte Königreich richten könnte, neben Diego Garcia auch der US-genutzte Flugplatz Fairford in Großbritannien eine entscheidende Rolle spielen würde. Die strategische Lage der Insel ist für die US-Militärpräsenz und -projektion in der Region von unschätzbarem Wert.
Trumps Haltung zu den Chagos-Inseln war in den letzten Monaten inkonsistent. Nach anfänglicher Begrüßung der Rückgabe kritisierte er sie im Januar als „Akt großer Dummheit“. Nach einem Gespräch mit Starmer schien er das Abkommen zunächst zu akzeptieren, vollzog nun aber wieder eine abrupte Kehrtwende. In einem Post auf Truth Social forderte er Starmer auf, die Kontrolle über Diego Garcia unter keinen Umständen zu verlieren, da dies „ein Schandfleck für unseren großen Verbündeten“ wäre. Diese jüngsten Äußerungen widersprechen einer Erklärung des US-Außenministeriums vom Dienstag, das die britische Entscheidung noch „unterstützen“ wollte. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt stellte jedoch klar, dass der Truth-Social-Post als die offizielle Position der US-Regierung gilt.
Trumps dringliche Forderung hängt eng mit den laufenden, sensiblen Verhandlungen in Genf zwischen Washington und Teheran zusammen. Ziel der USA ist es, das umstrittene iranische Atomprogramm einzudämmen und den Besitz von Atomwaffen durch Iran zu verhindern. Während Iran im Gegenzug für eine Begrenzung seines Nuklearprogramms die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen fordert, dämpfte der iranische Außenminister Araghchi die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch, bestätigte aber den Beginn eines Einigungsprozesses. Auf US-Seite werden die Verhandlungen maßgeblich von Trumps Vertrauten Steve Witkoff und seinem Schwiegersohn Jared Kushner geführt. Obwohl Diplomatie laut Trumps Sprecherin die erste Wahl sei, betonte sie auch die Bereithaltung militärischer Optionen, sollte die diplomatische Lösung scheitern.

