Mindestens 40 Migranten sind an nur einem Tag bei tragischen Bootsunglücken im Mittelmeer und im Ärmelkanal ums Leben gekommen, was die anhaltende Gefahr auf den Fluchtrouten nach Europa drastisch unterstreicht. Diese dramatische Bilanz verteilt sich auf drei separate Ereignisse: 19 Todesopfer wurden vor der türkischen Küste gemeldet, weitere 19 vor der italienischen Insel Lampedusa und zwei im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien. Die Vorfälle, die sich binnen kurzer Zeit ereigneten, werfen ein Schlaglicht auf die verzweifelten Versuche von Menschen, die EU zu erreichen, und die tödlichen Risiken, die sie dabei eingehen.
Vor der türkischen Ägäisküste barg die Küstenwache nach eigenen Angaben mindestens 19 Menschen, darunter 18 bereits tot und eine weitere Person, die später im Krankenhaus verstarb. 21 Insassen des Schlauchboots, das auf der Flucht vor der Küstenwache sank, konnten gerettet werden. Bei den Bootsinsassen handelte es sich laut Behördenangaben um Afghanen. Ihr Ziel war vermutlich die griechische Insel Kos, eine der Hauptanlaufstellen für Migranten, die über die Türkei nach Europa gelangen wollen. Die Europäische Union zahlt der türkischen Regierung beträchtliche Summen, um die Migration einzudämmen.
Nahe der italienischen Insel Lampedusa entdeckte die italienische Küstenwache ebenfalls 19 Tote. 58 Überlebende, darunter fünf Kinder, wurden nach Lampedusa gebracht, während sieben weitere Migranten, darunter zwei Kinder, wegen Unterkühlung und Kohlenwasserstoff-Vergiftung behandelt werden mussten. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass die Opfer vermutlich an Unterkühlung starben. Lampedusa ist ein zentraler Ankunftsort für Migranten aus Nordafrika. In diesem Jahr haben über 6.100 Menschen Italien über das Meer erreicht. Seit Jahresbeginn zählt die IOM bereits mindestens 831 Tote oder Vermisste im Mittelmeer.
Auch im Ärmelkanal gab es Todesfälle: Zwei Migranten aus dem Sudan und Afghanistan kamen bei dem Versuch ums Leben, die Küste von Gravelines in Nordfrankreich zu überqueren. Dies sind die ersten bekannt gewordenen Todesfälle auf dieser Route in diesem Jahr, wobei in der Vergangenheit bereits Hunderte Migranten den Kanal in kleinen Booten überquerten und im Vorjahr 29 Migranten starben. Die britische Regierung unterstützt Frankreich mit Millionenbeträgen, um die Migration einzudämmen. Trotz der jüngsten Verschärfung der EU-Migrationspolitik, die Asylverfahren in Drittstaaten und Rückführungszentren vorsieht, setzen Menschen weiterhin ihr Leben aufs Spiel, um Europa zu erreichen.
