Laut ARD-Hochrechnung von Infratest dimap haben die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp vor der CDU gewonnen. Bündnis 90/Die Grünen erreichen demnach 30,3 Prozent der Stimmen, die CDU folgt dicht dahinter mit 29,7 Prozent. Die AfD erzielt mit 18,7 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Südwesten und positioniert sich damit als drittstärkste Kraft. Die SPD erleidet ein historisches Tief und fällt auf nur 5,5 Prozent zurück. Für FDP und Linke wird es eng, beide liegen mit jeweils 4,4 Prozent unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde und könnten den Wiedereinzug in den Landtag verpassen. Dieses Ergebnis markiert einen signifikanten Wandel in der politischen Landschaft des Landes.
Die bisherige grün-schwarze Koalition, die Baden-Württemberg derzeit regiert, gilt als wahrscheinlichste Fortsetzung der Zusammenarbeit. Es wird erwartet, dass die Grünen erneut den Ministerpräsidenten stellen werden, wobei Cem Özdemir als designierter Nachfolger von Winfried Kretschmann eine “Partnerschaft auf Augenhöhe” mit der CDU anstrebt. Özdemir, der als Vertreter des pragmatischen Realo-Flügels gilt, betonte die Erfolge der vergangenen zehn Jahre als Maßstab für die zukünftige Zusammenarbeit. Grünen-Bundespolitiker wie Ricarda Lang und Felix Banaszak sprachen von einem historischen Ergebnis und einem starken Rückenwind für ihre Partei.
Die CDU konnte sich unter ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel, der die volle Verantwortung für das Wahlergebnis übernahm, von ihrem historisch schlechten Ergebnis von 2021 (24,1 Prozent) deutlich verbessern. Trotzdem reichte es knapp nicht für Platz eins. Hagel, mit 37 Jahren ein aufstrebender Politiker, hat den einst zerstrittenen Landesverband geeint. Die AfD, mit Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, der trotz Vorwürfen der Vetternwirtschaft antrat, konnte ihr Ergebnis von 9,7 Prozent im Jahr 2021 fast verdoppeln. Co-Vorsitzende Alice Weidel bezeichnete das Ergebnis ihrer als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften Partei als einen Wahlsieg.
Zu den klaren Verlierern gehört die SPD, die mit 5,5 Prozent das niedrigste Ergebnis ihrer Geschichte in Baden-Württemberg einfuhr. Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte angesichts dieser Schlappe seinen Rücktritt an und sprach von der Notwendigkeit einer Neuaufstellung. Die SPD machte den Zweikampf zwischen Grünen und CDU für ihr “bitteres” Abschneiden verantwortlich. Auch FDP und Linke blicken einem “bitteren Wahlabend” entgegen. Die Wahl in Baden-Württemberg, die erstmals 16- und 17-Jährigen das Wählen erlaubte und ein neues Zwei-Kreuz-System einführte, bildet den Auftakt zu einem ereignisreichen Superwahljahr.

