In Deutschland suchen immer mehr Paare nach Wegen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen, doch für viele ist die Eizellspende die letzte Hoffnung. Diese Behandlung ist jedoch seit 1990 durch das Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten, was schätzungsweise 4.000 Frauen jährlich zwingt, ins Ausland zu reisen. Deutschland gehört damit neben wenigen anderen europäischen Ländern zu jenen mit einem vollständigen Verbot. Die Begründung dafür liegt unter anderem in der Sorge vor einer „gespaltenen Mutterschaft“, die eine Trennung zwischen genetischer und austragender Mutter mit sich bringen würde. Dieses Verbot führt zu mangelnder offizieller Beratung, was Betroffene auf unsichere Informationsquellen im Internet verweist.
Julia B. (37) und Philip K. (39) sind ein solches Paar. Nach sechs Jahren unerfülltem Kinderwunsch und fünf schmerzhaften Fehlgeburten, die selbst nach mehreren künstlichen Befruchtungen und einem Klinikwechsel auftraten, schien die Hoffnung zu schwinden. Ein Spezialist in München stellte eine mögliche genetische Inkompatibilität fest. Nach dem Scheitern weiterer Therapieversuche fand Julia kaum noch Mut. Erst durch den Austausch in einer Selbsthilfegruppe und die Auseinandersetzung mit alternativen Wegen, darunter auch die Adoption, die jedoch viele Hürden birgt, fassten sie wieder neuen Mut. Sie stießen auf die Möglichkeit der Eizellspende als ihre letzte Chance für einen erfolgreichen Kinderwunsch.
Julia und Philip entschieden sich schließlich für eine Behandlung in Spanien. Spanien wurde aufgrund eines zentralen Registers bevorzugt, das die Anzahl der Spenden einer Frau dokumentiert und so einer kommerziellen Ausnutzung vorbeugen soll. Die Kosten für eine solche Behandlung liegen zwischen 10.000 und 15.000 Euro, mit Erfolgschancen von 50 bis 60 Prozent beim ersten Versuch. Für die Behandlung reiste das Paar zweimal nach Madrid: Zuerst gab Philip eine Samenprobe ab, dann suchte die Klinik eine Spenderin, deren genetische Merkmale und Aussehen zu Julia passen, bevor der Embryo eingesetzt wurde. Anders als bei der Samenspende in Deutschland, bei der Kinder später ihre genetischen Väter erfahren können, erfolgt die Eizellspende in Spanien anonym.
Die Diskussion über eine Legalisierung der Eizellspende wird in Deutschland nun wieder intensiver geführt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) prüft derzeit, ob ein entsprechender Gesetzesentwurf in den Bundestag eingebracht werden könnte. Ihr Ansatz sieht vor, nur Eizellen zuzulassen, die eine Spenderin ursprünglich für ihren eigenen Kinderwunsch eingefroren und später nicht mehr benötigt hat, um eine Kommerzialisierung zu verhindern. Eine Regierungskommission hatte bereits 2024 das Verbot als „überholt“ eingestuft und unter anderem eine Begrenzung der Eizellen pro Spenderin sowie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung empfohlen. Kritiker warnen weiterhin vor gesundheitlichen Risiken und potenzieller wirtschaftlicher Ausbeutung. Julia sieht den Vorstoß als ersten Schritt, bemängelt aber die hohen Einschränkungen und betont, dass Eizellspenden ohnehin im Ausland stattfinden.

