Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission hat 66 Empfehlungen für eine grundlegende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt. Ziel ist es, ein drohendes Milliardenloch von über 40 Milliarden Euro zu stopfen und noch höhere Beiträge zu verhindern. Die Finanzlage der GKV ist angespannt: Im Jahr 2025 stiegen die Ausgaben deutlich stärker als die Beitragseinnahmen, und ab 2027 werden Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe erwartet. Haupttreiber sind Krankenhausbehandlungen, ambulant-ärztliche Leistungen, Arzneimittel sowie medizinische Behandlungs- und Heilmittel. Dies führte zu einem Rekordwert des Gesamtbeitrags von etwa 17,7 Prozent des Bruttolohns, inklusive eines durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 3,13 Prozent im Jahr 2026.
Die „Finanzkommission Gesundheit“ unter dem Vorsitz von Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner setzt sich aus zehn unabhängigen Fachleuten zusammen. Ihre Aufgabe ist es, die steigende Ausgabendynamik zu stoppen und die strukturelle Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen zu schließen. Der erste Bericht mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen zur Stabilisierung des Beitragssatzes ab 2027 liegt nun vor, gefolgt von einem zweiten Bericht Ende 2026 mit tiefgreifenden Strukturreformen. Etwas mehr als die Hälfte der Vorschläge zielt auf Ausgabensenkungen, der Rest auf die Einnahmenseite.
Auf der Ausgabenseite sollen Leistungserbringer und Hersteller den größten Beitrag mit rund 19 Milliarden Euro leisten, unter anderem durch Begrenzung von Vergütungsanstiegen, dynamisierte Herstellerabschläge für Arzneimittel und Erweiterung der Fallzusammenführung in Kliniken. Zudem könnte die GKV um 12 Milliarden Euro entlastet werden, wenn der Bund die Beiträge für Bürgergeldempfänger aus Steuergeldern finanziert. Zusätzliche Einnahmen von rund 4,8 Milliarden Euro sollen durch die Abschaffung der beitragsfreien Ehegattenversicherung (3,5 Mrd. Euro für ca. 1,6 Millionen Betroffene, ausgenommen Eltern kleiner Kinder und Rentner) und eine Erhöhung des Beitragssatzes bei Minijobs (1,3 Mrd. Euro) generiert werden. Patienten sollen durch höhere Zuzahlungsbegrenzungen (+50%) und eine Absenkung des Krankengeldes mit rund 4,1 Milliarden Euro beteiligt werden. Daneben sind Streichungen von Leistungen wie homöopathische Medizin und die Erstattung von Cannabisblüten vorgesehen, die jeweils Einsparungen im Millionenbereich versprechen.
Zur Stärkung der Prävention schlägt die Kommission höhere Steuern auf Tabak (1,2 Mrd. Euro), Alkohol (0,6 Mrd. Euro) und eine neue Steuer auf zuckergesüßte Getränke (0,1 Mrd. Euro) vor, mit einem Gesamtvolumen von rund 1,9 Milliarden Euro, die nicht nur Einnahmen bringen, sondern auch den Konsum zurückdrängen sollen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte an, ein Sparpaket bis zum Sommer im Kabinett verabschieden zu wollen und sich im Wesentlichen an die Kommissionsvorschläge zu halten. Kanzler Friedrich Merz bezeichnete die Gesundheitsreform als den „härtesten Brocken“ der anstehenden Sozialreformen und betonte die Notwendigkeit, unmittelbar in den Leistungskatalog einzugreifen.

