Der Krieg im Sudan tobt mit unverminderter Härte weiter, oft abseits der globalen Schlagzeilen. Im April lädt die Bundesregierung zusammen mit den USA, Frankreich, Großbritannien, der Afrikanischen und Europäischen Union zu einer Sudan-Konferenz in Berlin. Ziel ist die Koordinierung von Friedensbemühungen, die Mobilisierung humanitärer Hilfe und die Förderung eines zivil geführten Übergangs. Es ist bereits die dritte Konferenz dieser Art, deren Vorgänger in Paris und London wenig konkrete Ergebnisse lieferten. Die Einbeziehung der sudanesischen Zivilgesellschaft nährt jedoch die Hoffnung auf substanziellere Erfolge, während die Effektivität der internationalen Bemühungen kritisch hinterfragt wird.
Bevor die Konferenzteilnehmer das Leid der Zivilbevölkerung beteuern, stellt sich die Frage nach konkreten Taten, besonders in Al-Faschir. Im Oktober letzten Jahres eroberten die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die westsudanesische Stadt Al-Faschir. Eine von Zivilisten, NGOs und westlichen Geheimdiensten lang vorhergesagte Katastrophe trat ein: ein genozidales Massaker. Binnen 72 Stunden wurden bis zu 10.000 Menschen erschossen, erschlagen oder überrollt. Mindestens 40.000 gelten als vermisst und vermutlich tot. Al-Faschir ist heute eine Geisterstadt und ein Mahnmal internationaler Untätigkeit.
Das Ausmaß dieser vorhersehbaren Gräueltaten ist seit dem Völkermord in Ruanda 1994, trotz damaliger UN-Warnungen, ohnegleichen. Die internationale Gemeinschaft agierte machtlos oder untätig. Die UN-Völkermordkonvention von 1948 verpflichtet Staaten zum präventiven Eingreifen bei drohendem Genozid. Das 2005 anerkannte Prinzip der Schutzverantwortung (“Responsibility to Protect”) erlaubt zudem militärische Intervention, wenn ein Staat seine Bevölkerung vor Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder ethnischen Vertreibungen nicht schützt. Diese fundamentalen völkerrechtlichen Normen wurden im Fall von Al-Faschir offenbar ignoriert, was die internationale Glaubwürdigkeit erschüttert.
Der Guardian beleuchtete kürzlich nicht nur das Schicksal der Opfer, sondern auch das kritische Versagen der USA und Großbritanniens. Es war keine bloße Fehlleistung, sondern eine bewusste politische Verweigerung zum Eingreifen, trotz vollem Bewusstseins über den drohenden Völkermord. Die mutmaßliche unterstützende Rolle der VAE im Konflikt wird ebenfalls kritisiert. Der Sudan-Konflikt ist längst keine interne Angelegenheit mehr; er destabilisiert die gesamte Region. Während die internationale Gemeinschaft zögert und konferiert, leiden die Menschen im Sudan unter einem Krieg, der nicht vergessen werden darf und globale Verantwortung dringend einfordert.
