Das iranische Militär hat mit einer vollständigen und langfristigen Blockade der Straße von Hormus gedroht. Diese Drohung erfolgt als direkte Reaktion auf mögliche US-Angriffe auf iranische Kraftwerke. Die strategisch wichtige Meerenge, ein zentraler Exportweg für Öl und Gas, soll erst wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden, wenn etwaige zerstörte iranische Kraftwerke vollständig wiederaufgebaut sind. US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran zuvor ein 48-Stunden-Ultimatum gesetzt, die Straße von Hormus freizugeben, andernfalls würden US-Angriffe auf iranische Kraftwerke erfolgen. Die Frist läuft am Dienstag um 01.44 Uhr MEZ ab, was die Dringlichkeit der Situation unterstreicht.
Iran hat seine Drohungen präzisiert: Bei Angriffen auf eigene Kraftwerke würden auch die Energie- und Kommunikationsinfrastruktur Israels sowie Kraftwerke in Golfstaaten mit US-Stützpunkten oder US-Anteilseignern ins Visier genommen. Bereits zuvor gab es Warnungen vor Attacken auf Entsalzungsanlagen in der Region. Seit Beginn des sogenannten Irankriegs am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports läuft, faktisch gesperrt. Diese Blockade sowie iranische Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in der Golfregion haben bereits zu einem erheblichen Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt, was globale wirtschaftliche Auswirkungen hat.
Reza Pahlavi, Sohn des letzten iranischen Schahs und führende Persönlichkeit der Exil-Opposition, hat US-Präsident Trump aufgefordert, sein Ultimatum zu überdenken und die zivile Infrastruktur bei Angriffen zu verschonen. Pahlavi, der normalerweise eine ähnliche Linie wie Trump und Israels Benjamin Netanjahu vertritt, betonte, dass das Regime demontiert, der Iran selbst jedoch geschützt bleiben müsse. Diese Forderung unterstreicht die Sorge vor zivilen Opfern und weitreichenden Zerstörungen, die über die politische Führung hinausgehen würden, und zeigt eine differenziertere Haltung innerhalb der Oppositionsbewegung.
Der Iran hat die internationale Gemeinschaft eingeschaltet. Irans UN-Botschafter Amir Saeid Irawani kritisierte in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und Generalsekretär António Guterres die Angriffe auf Kraftwerke als „grundsätzlich wahllos und eindeutig unverhältnismäßig“. Außenminister Abbas Araghtschi forderte den Sicherheitsrat auf, die „Aggressoren zu zwingen, alle rechtswidrigen Angriffe sofort einzustellen“ und sie für Schäden an Irans Anlagen, einschließlich der erneut angegriffenen Atomanlage in Natans, schadensersatzpflichtig zu machen. Während Israel Angriffe bestreitet und die USA schweigen, hatte der UN-Sicherheitsrat zuvor nur die iranischen Vergeltungsschläge verurteilt, ohne die auslösenden Angriffe der USA und Israels zu erwähnen, was die Komplexität und die parteiische Natur der internationalen Reaktionen verdeutlicht.
