Ein schwerer Spionageverdacht erschüttert Deutschlands Sicherheitsapparat. Gegen den früheren BND-Chef August Hanning wurde ein Haftbefehl erlassen. Ein Richter ordnete Untersuchungshaft an. Hanning war am Dienstag festgenommen worden.
Der 80-Jährige soll geheime Unterlagen von einem früheren Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes erhalten haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll er für die Dokumente bezahlt haben. Die Informationen soll er später für seine private Beratung genutzt haben. Zudem wird geprüft, ob Daten an einen ausländischen Geheimdienst weitergegeben wurden.
Auch ein früherer BND-Mitarbeiter wurde festgenommen. Er wird als Manfred D. bezeichnet. Der 64-Jährige arbeitete früher unter Hanning. Später blieb er auch unter anderen BND-Chefs im Dienst. Im März dieses Jahres ging er in den Ruhestand.
Nach den bisherigen Ermittlungen soll Hanning bereits 2010 mit Manfred D. zusammengearbeitet haben. Der frühere Mitarbeiter soll geheime Unterlagen aus dem BND gebracht haben. Hanning soll diese Dokumente anschließend erhalten haben.
Bis Juni 2022 soll Hanning rund 2.000 Dokumente bekommen haben. Einige davon sollen als geheim eingestuft gewesen sein. Die Ermittler prüfen nun, welche Informationen darin enthalten waren und wie Hanning sie verwendet hat.
Hanning bestreitet die Vorwürfe. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant habe zwar vertrauliche Dokumente besessen. Er habe aber keine Informationen zum Schaden Deutschlands weitergegeben. Auch habe er dafür kein Geld erhalten. Manfred D. hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.
Der Fall sorgt in Berlin für große Unruhe. Politiker und Sicherheitsexperten sehen darin eine ernste Belastung für den BND. Der mögliche Missbrauch von geheimen Informationen wirft auch Fragen über die Kontrolle ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter auf.
Besonders wichtig ist dabei Hanning selbst. Er leitete den BND von 1998 bis 2005. Nach seinem Ausscheiden blieb er im Bereich der Sicherheitspolitik aktiv. Er arbeitete als Berater und nutzte dabei seine langjährige Erfahrung und sein großes Netzwerk.
Nun wird darüber diskutiert, ob für frühere Geheimdienstmitarbeiter strengere Regeln nötig sind. Nach ihrem Ruhestand können ehemalige Beamte weiterhin Zugang zu wichtigen Kontakten haben. Sie kennen zudem die Arbeitsweise staatlicher Stellen. Kritiker fürchten deshalb mögliche Interessenkonflikte.
Die Ermittlungen gegen Hanning begannen im Zusammenhang mit einem anderen Strafverfahren. Dabei ging es um die mutmaßliche Entführung von zwei Kindern. Die Ermittler stießen während ihrer Arbeit auf Hinweise, die später zu den Vorwürfen gegen den früheren BND-Chef führten.
Hanning soll in diesem anderen Fall frühere Kontakte zu israelischen Geheimdienstkreisen genutzt haben. Dabei soll es auch um eine hohe Zahlung gegangen sein. Die entsprechenden Vorwürfe sind ebenfalls Gegenstand von Ermittlungen.
Weitere Fragen gibt es zu möglichen Kontakten mit Aserbaidschan. Ermittler prüfen, ob ein Geheimdienst des Landes zu den möglichen Empfängern von Informationen gehört haben könnte. Ein staatliches Gremium in Aserbaidschan weist eine Verbindung zu Hanning und dem Fall zurück.
Der neue Skandal erinnert in Deutschland an frühere Spionagefälle. Besonders bekannt ist die Affäre um Günter Guillaume. Der damalige Mitarbeiter im Umfeld von Bundeskanzler Willy Brandt war ein Spion der DDR. Der Fall führte 1974 zum Rücktritt Brandts.
Der aktuelle Fall kommt für den BND zu einem schwierigen Zeitpunkt. Deutschland will seine Nachrichtendienste stärken. Die Behörden sollen schneller auf Spionage, Sabotage und Cyberangriffe reagieren können. Dabei ist das Vertrauen ausländischer Partner besonders wichtig.
Der BND war bereits in der Vergangenheit mit Spionagefällen konfrontiert. Ende 2022 wurde ein früherer Abteilungsleiter wegen des Verdachts festgenommen, für Russland gearbeitet zu haben. Sein Verfahren läuft vor einem Berliner Gericht.
Der neue Fall könnte deshalb weitere Forderungen nach Reformen auslösen. Politiker wollen wissen, ob die bisherigen Regeln ausreichen. Auch die Kontrolle ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter dürfte erneut auf die politische Tagesordnung kommen.
Hanning war während seiner Zeit beim BND eine wichtige Figur. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 leitete er Ermittlungen gegen mutmaßliche Unterstützer der Täter. Er setzte zudem Reformen innerhalb des Dienstes um.
Nach seinem Ausscheiden gründete Hanning mit seiner Frau eine Beratungsfirma. Er arbeitete später für weitere Unternehmen und blieb als Sicherheitsexperte aktiv.
Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Viele Details sind nicht geklärt. Die Behörden müssen nun prüfen, welche Dokumente weitergegeben wurden und ob ein ausländischer Dienst davon profitierte. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für Hanning und Manfred D. die Unschuldsvermutung.

