Ein 18-jähriger Deutscher ist in Hamburg festgenommen worden. Er steht im Verdacht, eine 14-jährige Jugendliche aus den USA im Internet manipuliert und zu schweren Selbstverletzungen gedrängt zu haben. Nach Angaben der Ermittler soll der Kontakt schließlich mit dem Tod des Mädchens geendet haben. Das FBI und deutsche Behörden arbeiten gemeinsam an der Aufklärung des Falls.
Die Jugendliche lebte in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana. Dort untersuchte die örtliche Polizei ihren Tod. Im Verlauf der Ermittlungen fanden die Beamten Hinweise auf einen Verdächtigen, der in Deutschland wohnt. Daraufhin wurde das FBI eingeschaltet. Die US-Behörde teilte ihre Erkenntnisse mit den deutschen Strafverfolgern.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg wurde der Mann am Donnerstag festgenommen. Das FBI bestätigte die Zusammenarbeit am Freitag in einer öffentlichen Mitteilung. Die Namen des Verdächtigen und der Jugendlichen wurden bisher nicht veröffentlicht.
Der Beschuldigte ist deutscher Staatsbürger. Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten soll er 17 Jahre alt gewesen sein. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen September und Oktober über die Kommunikationsplattform Discord mit dem Mädchen gesprochen zu haben. Dabei soll er ihre psychische Verletzlichkeit ausgenutzt haben.
Die Ermittler prüfen den Verdacht, dass der junge Mann die Jugendliche zu schweren Selbstverletzungen aufgefordert hat. Außerdem soll er sie dazu gedrängt haben, sich das Leben zu nehmen. Nach den bisherigen Angaben starb das Mädchen am 2. Oktober. Die genauen Umstände und der Ablauf der Ereignisse sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Unklar ist auch, ob der Tod der Jugendlichen gefilmt wurde. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass diese Frage noch untersucht werde. Der Verdächtige soll versucht haben, eine Aufnahme zu erhalten. Zudem soll er Personen aus dem Umfeld des Mädchens mit der Veröffentlichung privater Informationen und kompromittierender Bilder bedroht haben.
Die Behörden untersuchen, ob diese Drohungen Teil eines gezielten Versuchs waren, Kontrolle über die Jugendliche und ihr Umfeld zu gewinnen. Dafür müssen die Ermittler digitale Nachrichten und weitere mögliche Beweise auswerten. Auch die Frage, ob weitere Personen an den mutmaßlichen Taten beteiligt waren, bleibt offen.
Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft könnte der Verdächtige mit einer extremistischen Online-Gruppe in Verbindung gestanden haben. Er soll gehofft haben, durch eine Aufnahme des Todes innerhalb der Gruppe „NMK“ Anerkennung zu gewinnen oder Zugang zu erhalten. Die Abkürzung steht für „Nefarious Maniac Kult“.
Die Ermittler sehen mögliche Verbindungen zum sogenannten COM-Netzwerk. In diesem Zusammenhang wird auch die Gruppe „764“ genannt. Sie steht international im Fokus von Untersuchungen zu mutmaßlicher Gewalt und Ausbeutung von Minderjährigen im Internet.
Die Polizei in Fort Wayne hatte bereits vor solchen Online-Gruppen gewarnt. Nach Angaben der Beamten suchen Mitglieder häufig über soziale Medien und Online-Spiele Kontakt zu jungen Menschen. Dabei sollen sie gezielt Jugendliche ansprechen, die sich in einer schwierigen persönlichen Lage befinden.
Der Ermittler Brian Martin von der Polizei in Fort Wayne erklärte bei einer Pressekonferenz am 14. Oktober, dass solche Gruppen Betroffene zu gefährlichen Handlungen bewegen könnten. Dazu zählten Selbstverletzungen und das Einritzen von Symbolen oder Wörtern in die Haut. In einigen Fällen würden Jugendliche außerdem aufgefordert, intime Bilder zu verschicken oder Tieren Schaden zuzufügen.
Martin sagte, Täter verlangten teilweise, dass solche Handlungen gefilmt oder live übertragen werden. Aufnahmen könnten dazu dienen, die Betroffenen weiter unter Druck zu setzen oder innerhalb der Gruppen Anerkennung zu erhalten. Ob solche Forderungen im aktuellen Fall eine Rolle spielten, müssen die Behörden noch klären.
Auch die Sicherheitsmaßnahmen der Plattform Discord stehen im Zusammenhang mit solchen Fällen im Fokus. Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, die Bekämpfung des Netzwerks „764“ und verbundener Gruppen zu seinen wichtigsten Aufgaben zu zählen. Nach eigenen Angaben wurden Tausende Server entfernt. Zudem seien neue Verfahren entwickelt worden, um problematische Gruppen besser zu erkennen.
Die Ermittlungen in Deutschland und den USA dauern an. Die Behörden müssen die digitale Kommunikation auswerten und prüfen, welche Vorwürfe sich durch Beweise bestätigen lassen. Der Fall zeigt, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit bei Straftaten im Internet ist. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

