Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen, hat bei der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe die Bedeutung der kirchlichen Einheit hervorgehoben. In seiner Ansprache in Fulda nannte er das Papstamt und die Eucharistie als zwei wichtige Säulen der sichtbaren Einheit der katholischen Kirche.
Van Megen sprach am 28. September zum Auftakt der Vollversammlung. Die Tagung der Deutschen Bischofskonferenz dauert bis zum 1. Oktober. Die Bischöfe beraten dort über mehrere Themen. Dazu gehören Künstliche Intelligenz, der Schutz des menschlichen Lebens und die weitere Entwicklung der Kirche in Deutschland.
Nach Ansicht des Nuntius haben das Papstamt und die Eucharistie eine besondere Bedeutung für die weltweite Kirche. Der Papst wahre die Einheit des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft. Die Eucharistie verwirkliche und stärke diese Gemeinschaft im Leben der Gläubigen.
Van Megen betonte, dass die Eucharistie nicht nur ein Symbol für Einheit sei. Nach katholischem Verständnis schafft sie Gemeinschaft und stärkt diese zugleich. Das Papstamt wiederum habe keinen eigenen Zweck. Seine Aufgabe liege darin, die Gemeinschaft der Kirche zu schützen und zu fördern.
Der Nuntius stellte zugleich klar, dass Einheit nicht allein durch Regeln oder Strukturen entsteht. Das Papstamt und die Eucharistie könnten Spannungen innerhalb der Kirche nicht auf rein organisatorische Weise lösen. Sie seien aber dauerhafte Mittel, durch die die Einheit erhalten und erneuert werden könne.
In seiner Rede sprach Van Megen auch über das Verhältnis zwischen der Kirche in Deutschland und Rom. Als Vertreter des Heiligen Stuhls bezeichnete er Rom als sichtbares Zentrum der weltweiten katholischen Kirche. Die deutsche Kirche sei Teil dieser größeren Gemeinschaft.
Dabei verwies der Erzbischof auf die verschiedenen Formen, die katholisches Leben weltweit annehmen kann. Die Kirche in Afrika unterscheide sich zum Beispiel von der Kirche in Europa. Dennoch hätten beide den gleichen Platz innerhalb der katholischen Kirche. Keine Ortskirche sei mehr oder weniger Kirche als eine andere.
Auch die Synodalität spielte in seiner Ansprache eine wichtige Rolle. Van Megen warnte davor, diesen Prozess auf einzelne Gruppen zu beschränken. Wenn nur einige Gruppen beteiligt seien, könnten andere zurückbleiben.
Er rief deshalb zu mehr gegenseitigem Zuhören auf. Gleichzeitig müsse die Verbindung mit der weltweiten Kirche und dem Nachfolger des Petrus erhalten bleiben. In dieser Verbindung sieht der Nuntius eine Grundlage für neue Wege.
Die Bischöfe beraten in Fulda auch über Fragen zum Schutz des menschlichen Lebens. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sprach am 29. September über die Leihmutterschaft. Die katholische Kirche lehnt eine gesetzliche Zulassung ab.
Overbeck verwies dabei auf die Stellung des Kindes. Eine Leihmutterschaft könne dazu führen, dass ein Kind zum Gegenstand eines Vertrags zwischen Erwachsenen werde. Damit seien aus Sicht der Kirche wichtige ethische Fragen verbunden.
Auch medizinische Entwicklungen stehen auf der Tagesordnung. Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger sprach über Genveränderungen und genetische Untersuchungen vor der Geburt. Dabei ging es unter anderem um die Würde von Menschen mit Behinderungen.
Künstliche Intelligenz ist ein weiterer Schwerpunkt der Vollversammlung. Die Bischöfe beschäftigen sich mit den Chancen und Risiken der neuen Technik. Im Mittelpunkt stehen auch Fragen zur Menschenwürde und zum Gemeinwohl.
Die Beratungen finden zudem vor dem Hintergrund der Debatte über den Synodalen Weg statt. Das Reformprojekt hat das Verhältnis zwischen der deutschen Kirche und dem Vatikan mehrfach belastet.
Van Megen hatte sich bereits vor der Vollversammlung zur Entwicklung in Deutschland geäußert. In einem Interview sagte er, sein Eindruck sei, dass Deutsche häufig zu viel und zu schnell wollten. Auch den Begriff „Macht“ aus Dokumenten des Synodalen Weges bezeichnete er als problematisch.
Der Vatikan prüft derzeit weiterhin die Satzung der geplanten Synodalkonferenz. Das Gremium soll dauerhaft an der Umsetzung der Ergebnisse des Synodalen Weges arbeiten. Die Prüfung der Regeln läuft seit März.
Für Van Megen bleibt dabei die Verbindung mit der Weltkirche ein wichtiger Punkt. Die deutsche Kirche könne ihren eigenen Weg gehen, müsse dabei aber ihre Gemeinschaft mit anderen katholischen Kirchen bewahren.
Seine Ansprache in Fulda verband deshalb die Themen Einheit, Zuhören und Zusammenarbeit. Der Nuntius rief die Bischöfe dazu auf, miteinander im Gespräch zu bleiben und die Verbindung mit Rom zu bewahren.
Die Herbst-Vollversammlung endet am 1. Oktober. Bis dahin beraten die deutschen Bischöfe über kirchliche Fragen sowie über aktuelle ethische und gesellschaftliche Herausforderungen.

