Die Domschweizerin Arnold-Reitgruber, eine der Wächterinnen des Kölner Doms, gewährt Einblicke in ihren herausfordernden Arbeitsalltag. Jeden Morgen um Viertel vor sechs schließt sie das imposante Gotteshaus auf und verteilt sich mit ihren Kollegen in roten Gewändern auf ihre Posten. Bis zu 30.000 Besucher strömen täglich in den Dom, und viele von ihnen überraschen das Team mit ungewöhnlichen und oft respektlosen Verhaltensweisen. Von Rollschuhfahrern auf dem glatten Boden über Besucher, die Schlangen aus ihren Rucksäcken holen, bis hin zu jenen, die auf den Altar springen und singen wollen – die Bandbreite der Herausforderungen ist groß. Arnold-Reitgruber und ihr Team müssen geduldig erklären, warum Rauchen, Fahrradfahren oder das Mitführen von Tieren im Dom nicht gestattet ist, selbst wenn es sich um ein “Geschöpf Gottes” handelt.
Angesichts dieser zunehmenden Respektlosigkeit plant der Kölner Dom die Einführung eines Eintrittsgeldes. Obwohl die genaue Höhe noch nicht feststeht, soll die Gebühr primär für Besichtigungen anfallen, während das Gebet und das Anzünden von Kerzen weiterhin kostenlos bleiben sollen. Für Arnold-Reitgruber, die diesen Job seit sechs Jahren ausübt, ist dieser Schritt nachvollziehbar. Ihr Eindruck ist, dass sich einige Besucher immer respektloser verhalten, und sie erhofft sich von einem kleinen Obolus, dass der Besuch im Kölner Dom wieder mehr Wertschätzung erfährt. Dieses Konzept soll sicherstellen, dass die spirituelle Funktion des Doms für Gläubige unentgeltlich bleibt, gleichzeitig aber einen Beitrag zur Bewahrung der Würde des Ortes leistet und die Betriebskosten deckt.
Arnold-Reitgrubers Weg zur Domschweizerin ist ungewöhnlich. Ursprünglich aus Baden-Württemberg stammend, wollte sie Ergotherapeutin werden. Während ihres Sportstudiums in Köln lernte sie jedoch die Stadt und einen Partner kennen und blieb. Bevor sie zum Dom kam, arbeitete sie am Flughafen Köln/Bonn, wo sie eine ähnliche Aufgabe erfüllte: “gestrandete Menschen auffangen.” Dort kümmerte sie sich um aufgelöste Passagiere ohne Reisepass. Im Dom sind es oft Besucher, die Zuwendung brauchen. Ob jemand weinend in einer Ecke sitzt oder ein Gespräch über den Lebenssinn sucht, Arnold-Reitgruber hört zu und bietet Unterstützung. Ein Stammgast schätzte ihre herzliche Begrüßung am Morgen, die für ihn den Start in einen guten Tag bedeutete. Diese soziale Komponente ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, der über das reine Wächterdasein hinausgeht.
Die Entscheidung für ein Eintrittsgeld spiegelt den wachsenden Druck wider, der auf den Domschweizern lastet, die täglich zwischen Gastfreundschaft und der Wahrung der Heiligkeit des Ortes balancieren müssen. Während der Irakkrieg im Text als Beispiel für globale Chaos genannt wird, bleibt der Fokus auf den lokalen Herausforderungen des Kölner Doms. Die Domschweizer tüfteln aktiv an einem gerechten und umsetzbaren Konzept für die Gebührenerhebung. Das Ziel ist es, die nötigen Mittel für den Unterhalt und die Sicherheit des Weltkulturerbes zu generieren und gleichzeitig die Atmosphäre des Respekts und der Besinnung zu bewahren. Das kommende Eintrittsgeld ist somit nicht nur eine finanzielle Maßnahme, sondern auch ein Versuch, die Verhaltensregeln im meistbesuchten Wahrzeichen Deutschlands neu zu definieren und durchzusetzen.

