Papst Leo XIV. leitet erstmals seit seinem Amtsantritt im vergangenen Mai die Osterfeierlichkeiten im Vatikan und setzt dabei ein starkes Zeichen der Tradition. Am Karfreitag wird der 70-jährige Pontifex die Liturgie im Petersdom feiern und anschließend die Kreuzwegzeremonie am Kolosseum anführen. Eine bemerkenswerte Entscheidung: Papst Leo XIV. hat sich entschlossen, das schwere Holzkreuz über alle 14 Stationen des Leidenswegs Jesu selbst zu tragen. Dies steht im Kontrast zur Praxis seines Vorgängers Papst Franziskus, der die symbolische Last aufgrund seiner Gehbehinderung in den Vorjahren anderen Gläubigen überlassen hatte. Der gebürtige US-Amerikaner, mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, ist seit seiner Wahl das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken.
Diese Geste unterstreicht Leo XIV.s bereits deutlich gewordenen Fokus auf Tradition und Würden in seinen ersten elf Monaten als Papst. Die Texte der Meditationen für den Kreuzweg wurden dieses Jahr von dem Franziskaner Francesco Patton verfasst, der bis 2025 Kustos im Heiligen Land war. Es wird erwartet, dass diese Texte starke Bezüge zu den aktuellen Kriegen im Nahen Osten nehmen. Papst Leo XIV. begründete seine Entscheidung, das Kreuz selbst zu tragen, mit dem Wunsch, eine Stimme zu sein, die verkündet, dass Christus noch immer leidet. Er möchte alle Menschen guten Willens einladen, diesen Weg gemeinsam zu gehen und zu suchen, wie auch sie Friedensbotschafter sein können, und trägt alles Leid im Gebet mit.
Die Osterfeierlichkeiten in Rom umfassen weitere wichtige Zeremonien. Bereits am Gründonnerstag leitete Papst Leo XIV. die Abendmesse zum Abendmahl. Der Kreuzweg am Kolosseum, atmosphärisch beleuchtet von Fackeln und Kerzen, gehört zu den stimmungsvollsten Momenten. Am Karsamstagabend folgt der Gottesdienst zur Osternacht im Petersdom, wo das allmählich weitergegebene Licht der Osterkerze den barocken Kirchenraum erhellt. Der Höhepunkt ist die feierliche Ostermesse auf dem Petersplatz am Sonntag, gefolgt vom Segen “Urbi et orbi”, bei dem der Papst traditionell globale Konflikte und Krisen anspricht.
Der Karfreitag ist im Christentum ein Tag des Gedenkens an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz, dessen Bezeichnung “Kar” aus dem Althochdeutschen stammt und “Kummer” bedeutet. Es ist neben Aschermittwoch der einzige Tag in der katholischen Kirche, der als strenger Buß- und Fasttag gilt. Nach dem Tod von Papst Franziskus im vergangenen Jahr und seinen altersbedingten Einschränkungen wird mit Papst Leo XIV. erstmals seit 2013 wieder ein neuer Pontifex die Osterfeierlichkeiten leiten und mit seiner Betonung auf persönliche Beteiligung und Tradition eine neue Ära einläuten.

