Rund 2600 Menschen sind am Samstag in Berlin auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die Politik der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Die Teilnehmer forderten den Rücktritt der Regierung und mehr Mitsprache der Bürger. Auch die Gesundheitsreform, die Energieversorgung und die Beziehungen zu Russland waren wichtige Themen.
Die Kundgebung wurde von der Gruppe Project M1illion organisiert. Die Veranstalter wollen eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild. Sie fordern, dass die Bürger bei politischen Entscheidungen stärker mitbestimmen können. Zudem lehnen sie die geplante Gesundheitsreform ab. Auch die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die CO2-Abgabe sollen nach ihrem Willen wegfallen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die deutsche Energiepolitik. Die Organisatoren verlangten eine umfassende Prüfung der Energieversorgung. Dabei sollten alle wichtigen Fragen berücksichtigt werden. Dazu zählen die Sicherheit der Versorgung, die Kosten und die Folgen politischer Entscheidungen.
Viele Teilnehmer trugen deutsche Flaggen und Friedensfahnen. Auf ihren Plakaten standen Forderungen nach einer strengeren Einwanderungspolitik und besseren Beziehungen zu Russland. Damit machten sie deutlich, dass sich ihre Kritik nicht nur auf soziale Reformen beschränkt.
Während des Protestes riefen die Demonstranten Parolen wie „Merz muss weg“ und „Wir sind das Volk“. Die Rufe richteten sich gegen den Kanzler und die Arbeit seiner Regierung. Die zweite Parole ist in Deutschland seit früheren Protestbewegungen bekannt und wird oft als Ruf nach mehr politischer Mitsprache genutzt.
Auch die Plakate zeigten den Ärger der Teilnehmer. Auf einem Schild stand, ein Rücktritt sei ein kleiner Schritt für Merz, aber ein großer Schritt für Deutschland. Andere Plakate warfen dem Kanzler vor, die Interessen der Ukraine stärker zu vertreten als die Interessen der eigenen Bevölkerung. Diese Aussagen geben die Sicht der Demonstranten wieder.
Weitere Teilnehmer protestierten gegen die Aufrüstung und gegen Waffenlieferungen. Sie forderten Frieden mit Russland. Andere Schilder kritisierten die Bundesregierung wegen ihrer politischen Entscheidungen. Einige Demonstranten erklärten, die Regierung handle, während die Bürger die Folgen tragen müssten.
Die Polizei setzte Hunderte Beamte ein, um den Marsch zu sichern. Nach ihren Angaben gab es keine größeren Zwischenfälle. Die Kundgebung verlief damit ohne bekannte schwere Störungen.
Der Protest fand vor dem Hintergrund wachsender Kritik an den Reformplänen der Bundesregierung statt. Besonders die Bereiche Rente, Gesundheit und Pflege sorgen für Streit. Viele Menschen machen sich Sorgen über die Kosten und darüber, wie sich die Änderungen auf ihren Alltag auswirken könnten.
Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage zeigt die Stimmung zu diesen Plänen. Demnach halten 59 Prozent der Befragten die geplanten oder bereits teilweise beschlossenen Änderungen für den falschen Weg. Nur 30 Prozent glauben, dass die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen.
Die Umfrage wurde für das ZDF erstellt. Sie bezieht sich auf Reformen bei Renten, Gesundheit und Pflege. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Skepsis gegenüber dem Kurs der Regierung in diesen Bereichen. Sie belegen jedoch nicht, dass alle Befragten auch die Forderungen der Berliner Demonstranten unterstützen.
Für Bundeskanzler Friedrich Merz ist die Kritik politisch bedeutsam. Laut der veröffentlichten Umfrage hat er bei seinen persönlichen Werten einen neuen Tiefstand erreicht. Die Unzufriedenheit mit den Reformen könnte den Druck auf die Koalition weiter erhöhen.
Die Forderungen der Demonstranten gehen über einzelne politische Maßnahmen hinaus. Sie verlangen mehr direkte Demokratie, eine andere Energiepolitik und weniger staatliche Abgaben. Zudem wollen sie eine neue Ausrichtung der Beziehungen zu Russland. Auch die Einwanderungspolitik spielte bei der Kundgebung eine Rolle.
Ob der Protest konkrete Folgen haben wird, ist derzeit offen. Die Bundesregierung hat bislang keinen Grund genannt, ihre Pläne wegen der Demonstration zu ändern. Die Kundgebung zeigt jedoch, dass ein Teil der Bevölkerung einen grundlegenden Kurswechsel fordert.
Die Umfragewerte machen zugleich deutlich, dass die Kritik an den Reformen nicht nur bei den Teilnehmern der Kundgebung zu finden ist. Wie stark sie die weitere Arbeit der Regierung beeinflusst, dürfte auch davon abhängen, welche Entscheidungen in den kommenden Monaten bei Rente, Gesundheit und Pflege getroffen werden.

