Die USA haben überraschend die Sanktionen gegen Delcy Rodríguez, die geschäftsführende Präsidentin Venezuelas, aufgehoben. Dies geht aus einer aktualisierten Liste des US-Finanzministeriums hervor. Die Gründe für diesen Schritt wurden zunächst nicht offiziell bekannt gegeben, doch er reiht sich ein in eine umfassendere Strategie Washingtons zur schrittweisen Lockerung der Restriktionen gegen das südamerikanische Land. Rodríguez übernahm die Amtsgeschäfte im Januar, nachdem US-Militärkräfte den ehemaligen Staatschef Nicolás Maduro festgenommen hatten. Ihre Regierung, die von Washingtons Gnaden regiert, hat zwar einige politische Gefangene freigelassen, einen grundlegenden politischen Wandel aber nicht eingeleitet.
Diese Entscheidung spiegelt eine breitere Anpassung der US-Politik gegenüber Venezuela wider. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten bereits wieder umfangreiche Geschäfte mit dem staatlichen Ölkonzern PdVSA sowie den Handel mit venezolanischem Gold zugelassen. Diese Schritte wurden maßgeblich durch steigende Energiepreise und aktuelle geopolitische Entwicklungen motiviert. Auch die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden kürzlich wieder aufgenommen. Delcy Rodríguez gilt als zentrale Ansprechpartnerin der US-Regierung, insbesondere bei Verhandlungen über die Nutzung der riesigen Ölvorkommen Venezuelas, an denen die USA großes Interesse zeigen.
Parallel zu dieser Entwicklung setzt sich der Drogenprozess gegen den inhaftierten Nicolás Maduro in den USA fort. Ein Antrag seiner Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens wurde Ende März von Richter Alvin Hellerstein in New York abgelehnt. Maduros Anwälte hatten argumentiert, dass die Blockade von Finanzmitteln für die Verteidigung durch die US-Regierung das Recht auf einen Anwalt freier Wahl verletze. Richter Hellerstein hinterfragte jedoch die Begründung der Staatsanwaltschaft, die die Blockade mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet hatte, da Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores keine weitere Bedrohung mehr darstellten.
Die venezolanische Opposition, angeführt von Persönlichkeiten wie der Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, betrachtet die Regierung unter Delcy Rodríguez weiterhin als nicht legitim. Nicolás Maduro und seine ebenfalls angeklagte Ehefrau Cilia Flores waren am 3. Januar von US-Spezialkräften in ihrer Residenz in Caracas festgenommen und nach New York geflogen worden. Ihnen werden unter anderem Verschwörung zum Narkoterrorismus und Drogenhandel vorgeworfen, wozu sie beide auf nicht schuldig plädiert haben. Das Gerichtsverfahren gegen sie wird unter diesen Umständen fortgesetzt, während sich die diplomatische Landschaft um Venezuela neu formiert.

