Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat in der Talkshow von Caren Miosga scharfe Kritik am deutschen Justizsystem geübt, insbesondere im Umgang mit digitaler Gewalt. Sie bezeichnete Deutschland in diesem Kontext als »Täterparadies«, da lediglich 2,4 Prozent der Fälle digitaler Gewalt überhaupt angezeigt würden. Ihre persönlichen Erfahrungen mit den Strafverfolgungsbehörden seien entmutigend gewesen; eine erste Anzeige gegen Unbekannt sei weitergereicht und schließlich eingestellt worden, mit der lakonischen Begründung: »Wir wissen von nichts.« Dies trage maßgeblich zu einem riesigen Dunkelfeld bei, das dringend beleuchtet werden müsse.
Der SPIEGEL berichtete bereits über schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen. Sie beschuldigt ihn unter anderem, täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr auf sozialen Medien erstellt zu haben. Über diese Profile soll Ulmen Männer kontaktiert, sexuelle Gespräche geführt und erotische Bilder und Videos verschickt haben. Das Material sollte offenbar den Eindruck erwecken, es handele sich um authentische Aufnahmen seiner damaligen Frau, was die Ernsthaftigkeit und Tragweite digitaler Manipulation und Identitätsmissbrauchs unterstreicht.
Im Gespräch mit Caren Miosga forderte Fernandes eine erhöhte Sensibilität der Behörden im Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt. Sie betonte die Notwendigkeit von Schulungen für das Personal, das Anzeigen entgegennimmt, da der Schritt zur Polizei immense Überwindung und Mut koste. Eine angemessene Aufnahme sei dabei essenziell. Zudem müsse die Aufklärung bereits in den Schulen beginnen, um bei Kindern ein Bewusstsein für die Thematik zu schaffen. Fernandes berichtete von einer 14-jährigen Schülerin, der ein Polizist nach einer Anzeige beschieden habe: »Wenn ihr ins Internet geht, müsst ihr euch nicht wundern.« Die aktuell diskutierten Gesetzespläne müssten zudem nachgeschärft werden, um die Verbreitung heimlich gemachter intimer Aufnahmen und von Deepfakes – mittels Künstlicher Intelligenz erstellter intimer Inhalte – konsequent zu ahnden.
Als Vorbild für Deutschland nannte Fernandes Spanien, wo weitaus härtere Strafen für Taten verhängt würden, die Frauen betreffen, darunter häusliche und digitale Gewalt. Sie betonte die Wichtigkeit, Tätern ein klares Signal zu senden: »Das geht so nicht.« Währenddessen gilt für Christian Ulmen die Unschuldsvermutung. Seine Anwälte sprachen von »unwahren Tatsachen« im Kontext der Vorwürfe und bestritten in einer Pressemitteilung, dass Ulmen zu irgendeinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Frau Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet habe. Auch einen mutmaßlichen Gewaltvorfall auf Mallorca im Januar 2023 wiesen sie zurück. Collien Fernandes ihrerseits widersprach dieser Darstellung über ihr Instagram-Profil und hielt an ihrer Version fest.

