Das Wachstum in Europa hält sich besser als viele Anleger erwartet hatten. Doch höhere Energiepreise und Zinsen könnten die Wirtschaft bald bremsen. David Zahn von Franklin Templeton sieht deshalb Chancen bei europäischen Anleihen.
Zahn leitet den Bereich für europäische Anleihen bei Franklin Templeton. Er erwartet, dass sich das Wachstum Anfang des kommenden Jahres deutlich abschwächt. Die höheren Kosten für Gas und Kredite könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
Nach seiner Einschätzung erwarten die Finanzmärkte zu viele weitere Zinserhöhungen. Dies gelte sowohl für Europa als auch für Großbritannien. Die Europäische Zentralbank könnte daher später weniger stark an ihrer straffen Geldpolitik festhalten.
Die zuletzt stark gestiegenen Anleiherenditen könnten das Wachstum zusätzlich bremsen. Zahn erwartet deshalb keinen schnellen Rückgang der Renditen. Die höheren Finanzierungskosten könnten ihre Wirkung erst nach und nach zeigen.
Franklin Templeton setzt bei europäischen Staatsanleihen vor allem auf Deutschland und Spanien. Auch Polen und Rumänien gehören zu den Ländern, in denen das Unternehmen stärker investiert ist.
Deutschland ist dabei besonders wichtig. Zahn sieht das Land als stabilen Anleihemarkt. Trotz hoher staatlicher Ausgaben verbessere sich die wirtschaftliche Entwicklung. Er rechnet mit einem Wachstum von etwa drei bis 3,5 Prozent.
Auch Mauro Valle von Generali Asset Management sieht deutsche Anleihen positiv. Renditen von mehr als 3,5 Prozent würden bereits viele der aktuellen wirtschaftlichen Risiken widerspiegeln. Deshalb bleibt er bei längeren Laufzeiten konstruktiv.
Franklin Templeton ist dagegen vorsichtiger bei Frankreich und Italien. In Frankreich sorgt die politische Lage für Unsicherheit. Zahn erwartet daher zunächst keinen deutlichen Rückgang des Renditeaufschlags französischer Staatsanleihen.
Die politische Unsicherheit könnte bis zum Frühjahr 2027 anhalten. Danach könnten sich neue Möglichkeiten ergeben. Zahn sieht vor allem die weitere Entwicklung der französischen Politik als wichtigen Faktor für den Anleihemarkt.
Auch Marine Le Pen könnte dabei eine Rolle spielen. Zahn geht davon aus, dass ein möglicher Wahlsieg der Politikerin weniger starke Folgen für die Finanzmärkte haben könnte als in früheren Jahren.
Als Beispiel nennt er Italien. Dort habe Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Kurs verfolgt, der stärker auf die Reaktion der Märkte achte. Andere Parteien könnten daraus gelernt haben.
Italien bleibt für Franklin Templeton dennoch ein Land mit geringerer Gewichtung. Die anstehende Wahl ist ein Unsicherheitsfaktor. Hinzu kommen die hohe Staatsschuld und das schwache Wirtschaftswachstum.
Für Anleger mit langen Laufzeiten ist die Schuldenlast besonders wichtig. Auch eine mögliche höhere Staatsausgabe könnte die Entwicklung italienischer Anleihen beeinflussen.
In Großbritannien hält Franklin Templeton ebenfalls einige Anleihen. Dazu gehören zehnjährige Staatsanleihen. Zahn bleibt bei Großbritannien jedoch zurückhaltend. Politische und finanzielle Fragen seien noch nicht gelöst.
Besonders wichtig wird der Herbsthaushalt am 28. Oktober. Die Erwartungen an die Regierung steigen. Anleger achten vor allem darauf, ob Steuern erhöht werden und wie viel finanzieller Spielraum der Staat behalten will.
Zahn warnt vor einer Verringerung dieses Spielraums. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Finanzmärkte schnell auf neue Risiken reagieren. Deshalb sei mehr Spielraum aus seiner Sicht sinnvoll.
Weitere Steuererhöhungen hält Zahn für möglich. In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits Steuern erhöht. Die Regierung könnte deshalb erneut versuchen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen.
Eine solche Politik könnte den britischen Anleihemarkt belasten. Zahn erwartet nicht zwingend einen starken Kursrückgang. Er sieht jedoch wenig Grund dafür, dass Anleger für britische Anleihen einen höheren Aufschlag akzeptieren, solange die politischen Risiken bestehen.
Gleichzeitig bieten Anleihen inzwischen wieder höhere Renditen. Zahn verweist auf rund fünf Prozent im Vereinigten Königreich und etwa vier Prozent bei bestimmten europäischen Papieren. Damit werden Anleihen für Anleger wieder interessanter.
Wer eine Anleihe bis zur Fälligkeit hält, kann bei passenden Bedingungen mit den vereinbarten Zahlungen planen. Das macht festverzinsliche Anlagen wieder zu einem wichtigen Teil vieler Portfolios.
Franklin Templeton bleibt zudem positiv bei grünen Anleihen. Zahn sieht dort inzwischen attraktivere Preise. Das Unternehmen hält deshalb zahlreiche Green Bonds in seinen Portfolios.
Dazu gehören globale grüne Anleihen sowie nachhaltige Euro Fonds. Auch grüne Unternehmens- und Staatsanleihen spielen eine Rolle. Für Franklin Templeton bleiben sie damit ein wichtiger Bereich im europäischen Anleihemarkt.

