Mindestens sechs Menschen sind bei neuen Angriffen in der Ukraine getötet worden. Weitere Menschen wurden verletzt. Die Angriffe trafen mehrere Regionen des Landes. Sie folgten wenige Stunden nach einem Treffen zwischen den Außenministern Deutschlands und Russlands in New York.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hatte das Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow beantragt. Die beiden Politiker trafen sich am Rand der UN-Generalversammlung. Es war ihr erstes persönliches Treffen seit dem Beginn der russischen Großoffensive gegen die Ukraine im Jahr 2022.
Eine schnelle Annäherung gab es nicht. Lawrow äußerte sich nach dem Treffen zurückhaltend. Er sagte, Wadephul habe erneut die bekannte deutsche Position zum Krieg genannt. Der russische Minister stellte infrage, ob dies als echter Dialog gelten könne.
Wadephul sprach sich dagegen für bessere Beziehungen aus. Nach Angaben eines deutschen Delegationsvertreters müsse Russland dafür aber klar bereit sein, den Krieg zu beenden. Die deutsche Seite sieht diese Bereitschaft derzeit nicht.
Unterdessen setzte Russland seine Luftangriffe fort. Russische Streitkräfte nutzen weiterhin Drohnen, Raketen und Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine. Die ukrainischen Streitkräfte greifen ebenfalls Ziele weit hinter der Front an. Dafür setzen sie vor allem weitreichende Drohnen ein.
In der Hauptstadtregion Kiew wurde ein Mann tot aufgefunden. Nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes hatte eine russische Drohne in der Nacht ein Gebäude getroffen, das nicht zu Wohnzwecken genutzt wurde.
Später wurden weitere Opfer am Rand von Kiew gemeldet. In Wyschnewe starb ein Mensch. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Eine Drohne beschädigte dort fünf Fahrzeuge und löste einen Brand aus.
Auch bei Fastiw gab es einen Verletzten. Nach Angaben der örtlichen Verwaltung wurde ein Wachmann einer Fensterfabrik getroffen. Die Angriffe betrafen damit auch Gebiete außerhalb der unmittelbaren Front.
Im Süden des Landes wurde die Region Odessa mehrfach angegriffen. Dabei kam ein Mensch ums Leben. Zwei weitere Menschen erlitten Verletzungen. Odessa ist ein wichtiger Verkehrsknoten für die Ukraine. Die Region liegt am Schwarzen Meer und umfasst den wichtigsten Hafen des Landes.
Neue Opfer wurden auch aus Sumy im Norden gemeldet. Dort schlugen am Sonntagnachmittag russische Gleitbomben ein. Eine Frau und ein 16-jähriges Mädchen wurden getötet. Fünf weitere Menschen wurden verletzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete zudem einen Angriff auf ein Rechenzentrum in Kiew. Nach seinen Angaben wurde das Gebäude am Sonntagmorgen zweimal getroffen. Zwei Kinder und ein Erwachsener wurden dabei verletzt.
Russland bestätigte den Angriff, gab ihm jedoch eine andere Einordnung. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das Rechenzentrum habe Internetdienste für die ukrainischen Streitkräfte bereitgestellt. Die Angaben beider Seiten konnten nicht unabhängig überprüft werden.
Auch im besetzten Teil der Ukraine wurden neue Opfer gemeldet. In Enerhodar starb nach Angaben der von Russland eingesetzten Stadtverwaltung eine Frau. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Die Behörde machte ukrainische Drohnen für den Angriff verantwortlich.
Enerhodar liegt nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja. Russland kontrolliert die Anlage seit den ersten Monaten des Krieges. Das Kraftwerk erzeugt derzeit keinen Strom. Es benötigt aber weiterhin Energie für die Kühlung der Reaktoren und für wichtige Sicherheitssysteme.
Russland und die Ukraine geben sich seit Längerem gegenseitig die Schuld an Schäden an Stromleitungen rund um das Kraftwerk. Eine stabile Stromversorgung ist für die Sicherheit der Anlage wichtig.
Die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Moskau bleiben angespannt. Deutschland hatte Russland zuletzt auch für einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig verantwortlich gemacht. Moskau weist die Anschuldigung zurück.
Die Frontlinien haben sich seit dem vergangenen Jahr nur wenig verändert. Gleichzeitig bleibt der Luftkrieg ein wichtiger Teil des Konflikts. Beide Seiten greifen Ziele mit Drohnen und anderen Waffen auch weit hinter der Front an.
Die UN-Mitgliedstaaten haben Russlands Einmarsch in die Ukraine mehrfach verurteilt. Der Kreml bezeichnet den Krieg weiter als „militärische Spezialoperation“. Russland nennt dabei unter anderem eigene Sicherheitsinteressen und den Schutz russischsprachiger Menschen als Gründe.
Das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow brachte damit keine erkennbare Entspannung. Während die Gespräche in New York liefen, setzte sich die Gewalt in der Ukraine fort. Die neuen Angriffe zeigen, wie weit die politischen Gespräche und die militärische Lage weiterhin auseinanderliegen.

