Kölns Trainer Lukas Kwasniok hat sich in einer emotionalen Stellungnahme für seine umstrittenen Äußerungen entschuldigt, die er nach einem medizinischen Notfall im Stadion getätigt hatte. Der Trainer des 1. FC Köln reagierte auf die breite Kritik, die seine ursprünglichen Kommentare ausgelöst hatten, als er den eingestellten Fan-Support nach dem Zusammenbruch eines Zuschauers thematisierte. Kwasniok betonte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg die Ernsthaftigkeit der Situation und erklärte: „Wenn ich da jemandem auf den Schlips getreten bin, dann bitte ich um Entschuldigung.“ Diese öffentliche Reue markiert eine Kehrtwende in der Kommunikation des Trainers, der zuvor für mangelnde Empathie kritisiert wurde.
Die Kontroverse entstand am vergangenen Samstag während des Bundesligaspiels zwischen Köln und Hoffenheim, als ein 90-jähriger FC-Fan auf der Tribüne reanimiert werden musste und in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Daraufhin stellten beide Fanlager ihren Support ein, ein Zeichen des Respekts und der Anteilnahme. Nach der Partie äußerte Kwasniok jedoch, dass sein Verein in dieser Saison bereits mehrfach unter fehlendem Support gelitten habe und es schade sei, dass ein Heimspiel dann nicht mehr solch einen Vorteil darstelle. Diese Aussage, in der er sogar eine Querverbindung zu Vincent Kompanys Anti-Rassismus-Stellungnahme zog, sorgte für großes Unverständnis und Empörung unter Fans und Medienvertretern.
In seiner jüngsten Erklärung zeigte sich Kwasniok sichtlich betroffen und räumte ein, dass es nach einem emotionalen Spiel nicht immer einfach sei, die richtigen Worte zu finden. Er betonte die übergeordnete Bedeutung menschlichen Lebens und menschlicher Tragödien: „Es gibt zwei Dinge, die immer wichtiger sind als Fußball: die Geburt und der Tod eines Menschen.“ Zudem erklärte er, die Kommunikationslage während und nach dem Spiel sei unübersichtlich gewesen. Er sprach den Angehörigen des mittlerweile verstorbenen Fans, von dessen Tod er nach eigener Aussage erst über die Medien erfahren habe, sein Beileid und viel Kraft aus, sobald der richtige Moment dafür sei.
Diese Aussage, er habe erst durch die Medien vom Tod des Fans erfahren, steht jedoch im Widerspruch zu Berichten, wonach Kwasniok bereits in mehreren Interviews nach der Partie auf den Grund des Fan-Boykotts angesprochen wurde und somit über den medizinischen Notfall informiert gewesen sein müsste. Auch sein Spieler Tom Krauß hatte direkt nach Abpfiff deutlich gemacht: „Es war ein komisches Spiel, weil die Stimmung zu Recht nicht da war. Aber ich muss ehrlicherweise sagen, das ist dann auch Nebensache, weil man dann auch sieht, dass es auch andere wichtigere Sachen gibt als Fußball.“ Die Entschuldigung Kwasnioks wird nun zeigen müssen, ob sie die Wogen glätten und das Vertrauen der Fans zurückgewinnen kann.

