Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Leitzins trotz des Iran-Krieges stabil gehalten. Die Zinsspanne verharrt unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent, wie der Zentralbankrat in Washington mitteilte. Dies ist die zweite aufeinanderfolgende Sitzung ohne Zinsänderung. Der Iran-Krieg führt zu Versorgungsengpässen und treibt die Ölpreise in die Höhe, was Inflationssorgen auslöst und Zinssenkungen vorerst unwahrscheinlich macht. Volkswirte hatten die Beibehaltung des Leitzinses daher erwartet. Die Fed priorisiert die Stabilität der Wirtschaft und die Eindämmung potenzieller Preisschocks, die aus geopolitischen Spannungen resultieren könnten. Ihr Fokus bleibt auf der Kontrolle der Inflation, um langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten, auch wenn dies kurzfristig zu Diskussionen führen mag.
Elf der zwölf Zentralbankrats-Mitglieder stimmten am Mittwoch für die Beibehaltung des Leitzinses. Lediglich Stephen Miran, Berater von US-Präsident Donald Trump, votierte wie zuvor für eine Senkung. Die Notenbank steht weiterhin unter großem Druck durch Trump, der stets Zinssenkungen fordert und Notenbankchef Jerome Powell scharf kritisiert. Powells Amtszeit endet im Mai. Trump hat bereits den Ökonomen und früheren Fed-Direktor Kevin Warsh als Nachfolger vorgeschlagen. Diese politischen Einmischungsversuche stellen eine Belastung für die Unabhängigkeit der Fed dar, doch die Mehrheit des Zentralbankrats scheint ihren geldpolitischen Kurs auf Basis wirtschaftlicher Indikatoren und nicht politischer Forderungen zu bestimmen.
Neben der Zinsentscheidung verkündete die Fed auch positive Wirtschaftsnachrichten. Für das kommende Jahr rechnet sie mit deutlich mehr Wachstum als bislang: Im Median prognostiziert die Fed für 2027 nun ein Plus von 2,3 Prozent, eine Aufwärtskorrektur von den im Dezember vorhergesagten 2,0 Prozent. Auch die Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr stiegen leicht von 2,3 auf 2,4 Prozent. Diese positiven Wachstumsaussichten signalisieren eine robuste Wirtschaft. Allerdings revidierte die Fed gleichzeitig ihre Inflationsprognosen nach oben: Für 2027 wird nun 2,2 Prozent statt 2,1 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr stieg die Prognose von 2,4 auf 2,7 Prozent.
Die erhöhten Inflationsprognosen dürften Trumps Forderungen nach einer Zinssenkung vorerst folgenlos bleiben lassen. Eine Lockerung des Zinsniveaus würde die Inflation zusätzlich anheizen, was die Fed vermeiden will. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die zugrunde liegenden Daten noch vor Kriegsbeginn erhoben wurden. Die tatsächlichen Folgen des Iran-Kriegs, insbesondere die deutlich gestiegenen Ölpreise, werden sich erst in den kommenden Monaten in den Wirtschaftsindikatoren niederschlagen. Dies bedeutet, dass die Fed ihre zukünftigen Entscheidungen unter Umständen auf der Grundlage einer noch dynamischeren und potenziell inflationäreren Situation treffen muss. Die Entwicklung der Ölpreise und die globalen Lieferketten werden entscheidende Faktoren für die nächste geldpolitische Bewertung sein.

