Nach einer Rede von US-Präsident Donald Trump zum Irankrieg sind die Ölpreise am Donnerstagabend (Ortszeit) deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Juni erhöhte sich im frühen Handel um mehr als sechs Prozent auf 107,48 Dollar. Dieser Anstieg folgt auf eine Phase, in der der Preis zuvor unter die 100-Dollar-Marke gefallen war, getragen von der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts. Trumps Äußerungen, die wenig Neues boten, aber frühere Drohungen bekräftigten, zerschlugen diese Hoffnungen und schickten die Märkte in eine neue Phase der Unsicherheit. Die aggressive Rhetorik des Präsidenten deutet auf eine weitere Eskalation hin, was direkte Auswirkungen auf die globale Ölversorgung hat.
In seiner ersten Rede an die Nation seit Beginn der Angriffe kündigte Trump zwar erneut ein Ende des Krieges an, aber nur, nachdem die USA ihre militärischen Ziele “sehr bald” erreicht hätten. Bis dahin drohte er Iran mit “heftigen Angriffen” in den nächsten zwei bis drei Wochen, mit dem Ziel, das Land “zurück in die Steinzeit zu versetzen, wo sie hingehören.” Diese kriegerischen Worte signalisieren den internationalen Märkten keine Entspannung, sondern vielmehr eine Intensivierung des Konflikts. Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf diese harte Linie, da die Furcht vor Versorgungsengpässen und einer anhaltenden Destabilisierung der Region wieder zunahm.
Angesichts der aktuellen Engpässe bei der Ölversorgung, insbesondere durch die Behinderung des Transports durch die Straße von Hormus, riet Trump betroffenen Ländern, ihr Öl stattdessen aus den USA zu beziehen. “Kauft Öl von den Vereinigten Staaten. Wir haben reichlich. Wir haben so viel”, betonte er. Gleichzeitig forderte er andere Staaten auf, die Sicherung der Meerenge zu übernehmen, da die USA sich nicht in der Hauptverantwortung sehen, aber helfen würden. Die Straße von Hormus ist entscheidend, da dort normalerweise etwa ein Fünftel des globalen Tagesverbrauchs an Öl verschifft wird. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar ist die Schifffahrt dort praktisch zum Erliegen gekommen, was zu einem täglichen Defizit von etwa elf der sonst rund 100 Millionen Barrel führt.
Trump kritisierte scharf das Ausbleiben internationaler Hilfe bei der Sicherung der Meerenge und bezeichnete sogar Nato-Verbündete als “Feiglinge”. Der Mangel an Öl trifft Deutschland vergleichsweise weniger stark, da nur ein sehr geringer Teil des hierzulande raffinierten Öls aus dem Persischen Golf stammt. Asiatische Länder hingegen sind deutlich stärker betroffen. Die fortgesetzte Unsicherheit im Persischen Golf und die klaren Ansagen Trumps lassen befürchten, dass die hohen Ölpreise und die gestörten Lieferketten die Weltwirtschaft weiterhin belasten werden, solange keine wirkliche Deeskalation in Sicht ist.

