Litauens Armeechef Raimundas Vaiksnoras erwägt angesichts der strategischen Notwendigkeit und bestehender Einsatzbeschränkungen westlicher Waffensysteme den Kauf ukrainischer Langstreckenwaffen. Er betonte gegenüber der Zeitung “Welt”, dass einige der Systeme, die Litauen bereits besitzt oder noch anschaffen wird, über “Kill Switches” verfügen, die die GPS-Verbindung unterbrechen oder stören können. Diese Einschränkungen könnten dazu führen, dass bestimmte Ziele in spezifischen Regionen nicht angegriffen werden können, was die nationale Verteidigungsfähigkeit eines souveränen Staates potenziell kompromittiert. Daher ist es für Litauen eine Priorität, über eigene, selbst kontrollierbare Fähigkeiten zu verfügen.
Diese strategische Neuausrichtung könnte in Zusammenarbeit mit der Ukraine erfolgen oder durch die Übernahme ihrer fortschrittlichen Technologie. Vaiksnoras hob die Expertise der Ukraine hervor, die bereits eigene effektive Langstreckendrohnen und Marschflugkörper entwickelt hat. Für Litauen wären solche Waffensysteme ein essenzielles Abschreckungsinstrument. Der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine schürt in den baltischen Staaten, darunter Litauen, Lettland und Estland, große Befürchtungen vor einem direkten Angriff auf ihr Territorium. Die Beschaffung von Waffen, die ohne externe Beschränkungen eingesetzt werden können, wird als vital für die nationale Sicherheit betrachtet.
Parallel zu dieser Prüfung plant Litauen eine erhebliche Erweiterung seiner militärischen Infrastruktur. Ein neues Übungsgebiet soll in der Region um Druskininkai entstehen, nahe dem strategisch wichtigen Suwałki-Korridor. Diese Gegend, oft als Suwałki-Lücke bezeichnet, gilt als potenzielle Einbruchsstelle für einen russischen Angriff auf die NATO. Dort sind Manöver in Brigadegröße geplant, die das Schießen mit Panzern und Haubitzen umfassen. Dies unterstreicht Litauens Entschlossenheit, seine Verteidigungsbereitschaft in einer geografisch kritischen Zone massiv zu erhöhen und die Abschreckung zu stärken.
Obwohl Litauen als kleines Land auf seine Verbündeten angewiesen ist, zeigte sich der Armeechef zuversichtlich hinsichtlich der Unterstützung Deutschlands im Ernstfall. Vaiksnoras erklärte, dass Bundeswehrsoldaten sich Litauen im Falle eines Angriffs anschließen und kämpfen würden, und betonte damit die Verpflichtungen innerhalb der NATO. Er äußerte jedoch auch die Erwartung, dass Deutschland seine politischen Entscheidungsprozesse im Krisenfall beschleunigen müsse, um eine zeitnahe und effektive Reaktion zu gewährleisten. Dies ist ein Hinweis auf die Notwendigkeit, bürokratische Hürden in Verbündetenländern abzubauen, um die kollektive Verteidigung zu stärken.

